Full text : Die deutsche Kaliindustrie

konkurrenzlos war, hatte dazu geführt, daß der Kapitalwert eines Kaliwerks
 vor allem von der Quote bestimmt war, die den Anspruch auf die
Beteiligung am Absatz eines Monopolprodukts verkörperte; das war um
so mehr der Fall, als die Quoten übertragbar waren und einen: bestimmten,
 durch Angebot und Nachfrage gebildeten Marktwert besaßen.
Die spekulative Massenerrichtung von Werken in der Vorkriegszeit läßt
sich nur daraus erklären, daß die Gründer neuer Werke die doppelte
Chance hatten, entweder hochwertige Salze zu fördern und daher mit
Vorteil den Betrieb zu führen oder die Quoten, auf die sie Anspruch gewannen,
 an andere Werke zu veräußern. Die verhängnisvollen Folgen
ihrer Organisation, die einen derartigen Gründungsanreiz bot, zwangen
lie Industrie bis zum Erlaß des Abteufverbots im Jahre 1916 zur ununterbrochenen
 Expansion; denn die bereits bestehenden Werke mußten
die eigenen Anlagen erweitern oder fremde Quoten erwerben, wenn ihre
Absatzbeteiligungen nicht zugunsten der Neugründungen schwinden
sollten. Da sich der fortgesetzte Gründungsvorgang unabhängig von
der tatsächlichen Nachfrage vollziehen mußte, war die N eugründung von
Werken und die gesamte Arbeit der Industrie von um 80 geringerem Er-[olg,
 je weiter die zusätzliche Leistungsfähigkeit über den zusätzlichen
Kalibedarf hinaus stieg. Den Aufwendungen für Erweiterung der Anlagen
 oder Quotenkauf entsprach daher kein zusätzlicher Ertrag, bereits
im Augenblick der Investition gingen die aufgewendeten Mittel verloren,
die entweder durch Emission aufgebracht oder aus Erlösen angesammelt
 worden waren. In den Bilanzen der Industrie kamen diese Verluste
häufig nicht oder ungenügend zum Ausdruck, auch die Erfolgsrechnungen
geben darüber keine Auskunft, um so mehr als zahlreiche Unternehmungen
 in die Form von Gewerkschaften gekleidet in verhältnismäßig
kurzen Zeiträumen Ausbeuten gewährten und Zubußen einzogen. Die
Zuverlässigkeit der börsenmäßigen Bewertung der Kaliwerte in der Vorkriegszeit
 wäre hiervon auch dann beeinträchtigt gewesen, wenn sie
nicht durch die Organisation der Industrie veranlaßt, die tatsächlichen
Verhältnisse vielfach zugunsten allgemeiner Erwartungen vernachlässigt
 hätte.

Die heutige Kapitalmenge.
Auch für die Gegenwart gibt es keine einwandfreie Feststellung der
gesamten in der Kaliindustrie arbeitenden Kapitalmengen. Das Kali-Syndikat
 hat am 24. November 1925 in dem Prospekt der Auslandsanleihe
 der Industrie den Wert „der Anlagen, soweit sie mit der Gewinnung
 von Kali in Beziehung stehen (mit Ausnahme von Arbeiterwohnungen)“
 auf 29 000 000 £, also 580 Mill. RM geschätzt. Diese Zahl
stellte offenbar nach der Annahme des Syndikats das gesamte damals in
der Industrie arbeitende Kapital dar. Schätzungen über den Oktober
1926 haben zu einem Eigenkapital der Industrie von etwa 420 Mill. RM
geführt, denen der Ertrag ihrer Auslandsanleihe von rund 240 Mill. RM
zuzuzählen ist. Er wurde jedoch nicht allein zum Ausbau der Werke
verwendet, sondern deckte kurzfristige Verpflichtungen ab, so daß angenommen
 werden kann, daß außer den Anleiheverpflichtungen nennenswerte
 Verschuldungen der Industrie nicht bestanden. Inzwischen sind

8
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.