168
Rückblick und Ausblick.
Und wieder find es die allen gewaltigen Drei,
Die Deuilchland flehen in diefem Kriege bei:
Der Glaube, der nicht wankt, wenn die Welt vergeht,
Der Berge verlebt und felber wie Berge fleht;
Die Hoffnung, die, wenn die Nacht noch fo dunkel graut,
Mit aufgerichtetem Blick gen Morgen fchaut;
Die Liebe, die unter ihnen die gröbere ifi,
Die das Ew’ge bedenkt und das Ihre vergibt.
(Will Vesper.)
uch Lichtfeiten hat ein Krieg, der von einem durch feindliche
Uebermacht bedrängtem Volk ausgefochten wird, um fleh
Leben und Selbftändigkeit zu bewahren: Einigkeit und
Opferwilligkeit. Und wie Goethe als des Lebens-Höhe
den Bund von Ernft und Liebe bezeichnet, enthüllt uns, in
mitten der erfchütternden Gefchehni|fe des Krieges, die einmütige, felb|tver-
leugnende Hingabe auch der Nichtkämpfenden einen Reichtum an inneren
Werten, und als deren Leuchtkern die fegnende Kraft, welche nicht allein
Wunden zu verbinden und zu heilen, fondern auch Zer|törtes wieder auf
zubauen vermag.
Im ideologifchen Widerfdhein der durchme|fenen Aufgabengebiete lä(?t
fich diefe innermenfchliche Macht gleichfam anatomifdi zerlegen in die Kraft
der Gefinnun'g und den Idealismus der Tat.
Kraft der Gesinnung.
Noch ftehen wir am Vorabend einer Zeit, deren Wefen uns verhüllt
ift. Doch darf unfere Tage die Ahnung tröften, daß, gleich wie der Tod
nur eine Staffel zum Leben im Lande der Verheißung, auch der uns ver
ordnte fchwere Lebenskampf, troß aller Verfchüttung unerfeßlicher Werte,
unvergänglichen Gewinn in fidn birgt, fofern nur durch die harte Belaftungs-