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teilte seine Abteilung in drei gleich starke Gruppen, ließ eine Gruppe
3 Minuten arbeiten, die anderen zwei aber erholten sich inzwischen
und lösten die arbeitende Gruppe ab; diese Abteilung war mit der
Arbeit lange fertig, nicht im geringsten erschöpft, während die andere
Abteilung noch schwer, aber immer langsamer arbeitete. Die siegreiche
Abteilung hatte das richtige Verhältnis 1:2 für Arbeit und Erholung
gewählt. Professor Ermanski gibt noch andere Beispiele, aus dem
-"ussischen Eisenbahnbau und aus einer russischen Textilfabrik, zur
Erhärtung des Satzes, daß Arbeit und Pausen sich optimal wie
|; 2 verhalten sollen. In einer Textilfabrik zeigte sich, daß die
esten Leistungen erzielt wurden, als folgende Einteilung getroffen
war: 13/, Stunden Arbeit — 1!/, Stunde Pause — 1%, Stunden
Arbeit — Mittagspause; nachmittags die gleiche Einteilung. In anderen
[ndustrien wurden ähnliche Einteilungen für richtig erwiesen. Die
ohysiologische Erklärung, warum die Arbeiter gewisser Pausen
bedürfen, ist folgende. Die Arbeitsfähigkeit sinkt infolge der Er-
nüdung und wird im Verlaufe des Arbeitstages immer geringer,
wenn keine genügenden Erholungspausen eingeschaltet sind, während
welcher die schädlichen Ermüdungsstoffe ausgeschieden werden
können. Bei entsprechend gewählten Pausen herrscht nach der
Pause fast die gleiche Arbeitsfähigkeit wie zu Beginn der Arbeit;
allerdings zeigt sie naturgemäß im ganzen Arbeitstage eine, wenn
auch gering fallende Kurve; bei ununterbrochener Arbeit ist das
Gefälle viel größer. Anderseits ist zu beachten, daß in den Muskeln
angehäufte Übung enthalten ist, die sich nur dann ungemindert
arhält, wenn der Mensch ohne längere Unterbrechung arbeitet (vgl.
Sprachübung, Musikspielen, sportliche Betätigung). Übung ist auch
ain wichtiger positiver Faktor in der Auslese; sie erhöht die Arbeits-
fähigkeit. Ermüdung ist dagegen ein negativer Auslesefaktor. Daher
müssen Dauer und Zahl der Pausen rationell, d. h. derart gewählt
werden (nicht zu lange — nicht zu viele, ebenso wie nicht zu
kurze — nicht zu wenige Pausen), daß der Vorteil durch Ent-
fernung der Ermüdungsstoffe größer bleibt als der Nachteil des
Verlustes der angehäuften Übung.
12. Soziale Wirkungen der Rationalisierung.
Es wurden in verschiedenen Ländern Untersuchungen darüber
angestellt, welche Wirkungen die technisch-organisatorische Rationali-
sierung auf die wirtschaftliche Lage, sowie auf Körper und Seele