274
II. Buch. Der Güteraustausch.
Die schlimmsten Mißbräuche kommen indessen im Gebiete des nicht kauf
männischen Credits vor. Wir werden uns mit diesen im nächsten ĶĢ
zu befassen haben. In dem vorliegenden haben wir es nur mit dem w
brauch des Handelscredits und den durch denselben verursachten Schädigung-
zu thun. Zunächst aber wollen wir die aus der letztern Art des Credi
erwachsenden Vortheile recapituliren. Wir haben die folgenden Kategorie
derselben zu unterscheiden. .
1. Eine überaus bedeutende Ersparniß an kostbaren Metallen, die oy
Creditgewährung mit schweren Lasten beschafft werden müßten. Es läßt st
nicht berechnen, wie große Massen derselben jährlich gekauft werden ķ '
obgleich ohne den Credit die Anzahl der Zahlungen auf jeden Fall bedeute
reducirt werden müßte. So läßt sich denn nur sagen, daß die Erspar" p
viele Millionen ausmacht. Diese Ersparniß hat dann auch noch die gûŞ
Folge, daß sie dazu beiträgt, den Tauschwerth des Geldes vor allzu grost^
Veränderungen zu bewahren. Während sich nämlich einerseits mit der 8 '
wältigen Zunahme des Handels die Anzahl der Zahlungen ganz beträcht l
steigert, nimmt andererseits mit der gleichzeitigen Entwicklung des Credittvese
diejenige der Bargeldzahlungen verhältnißmäßig ab, da sowohl die gegenses Ģ
Conlpensation der Zahlungsverpflichtungen, das Clearingsystem, als die
lation von Creditpapieren einen immer größern Umfang gewinnt. So kam ^
es, daß die Nachfrage nach Gold und Silber in unvergleichlich geringer
Grade zunimmt als die Bevölkerung und der Reichthum. Das ist aber nat»
lich dem Verharren der Preise auf einem gewissen Niveau sehr günstig.
2. Eine sehr bedeutende Ersparniß an Zeit und Mühe und eine 1Ļ
beträchtliche Verminderung des mit den Zahlungen verbundenen Risicos.
dem allem ist bei der Besprechung der dritten und der siebenten Fķ''
der Bankanstalten im vorigen Kapitel die Rede gewesen. jj
3. Die Möglichkeit, die Ersparnisse mehrerer Personen durch Ansa"^
lung und gemeinschaftliche Placirung nutzbarer zu verwenden, als wenn
jede von diesen Personen ihre Sparpfennige selbst hätte anlegen müssen- ^
Placirung größerer Beträge ist immer leichter als diejenige kleiner ŞuM'N^
die oft so geringfügig sind, daß sie kaum productiv angelegt werden könn '
weil Stempel- und andere Gebühren, die Mühe der Zinszahlung und
Umstünde den Vortheil, der ans solchen kleinen Geldkapitalien erwächst'
die Maßen verringern. &
4. Durch die von scharfsinnigen und weitblickenden
leitete Gewährung von Darlehen an Unternehmer und Kaufleute und 1>
die Förderung neuer Unternehmungen leiten die Banken viele mensch ^
Kräfte und eine große Menge von Sachgütern auf die nützlichsten mmr ^
lichen Bahnen und verhindern, daß gewisse Menschen unbeschäftigt un