noch mit Versetzungen und Abänderungen vorkommt, die ihren
ursprünglichen Charakter verdecken und die so entstandenen
Misch-und Missgebilde derselben vollends unverständlich machen.
Diese üebergangserscheinungen sind im Hinblick auf die voll
zogene Beseitigung der Ricardoschen Ansicht durch eine ent
schieden überlegene Theorie sehr erklärlich. Doch geht uns
diese blosse Schultaktik hier nicht weiter an, und wir haben
nur dafür zu sorgen, dass die geschichtlich in Frage stehende
Lehre auch wirklich in der vollen Eigcnthümlichkeit erscheine,
die sie bei ihrem Urheber gehabt, und durch welche sie sich
vor den gewöhnlichen Ideen ausgezeichnet hat.
Man könnte die Ricardosche Rente als diejenige der Frucht-
^ barkeitsunterschiede oder kurzweg als differentielles Fruchtbar-
j keitseinkommen bezeichnen. Geht man nämlich von der An-
] nähme aus, es würden gleiche Bewirthschaftungsmittel auf zwei
reine Naturgrundstücke gewendet, und es sei bei dem einen
die Gunst der Natur in Rücksicht auf die Unterstützung der
naturalen Ertragsmenge grösser, so wird der Unterschied der
Ergebnisse eine Bedeutung für die Rente der Grundeigen-
thümer haben müssen, sobald man noch weiter voraussetzt,
dass sie auf demselben Markte denselben Preis erzielen,^ Ge
setzt, es würde durch diesen Preis im Falle des einen Grund
stücks nur die Anwendung der Bewirthschaftungsmittel ermög
licht, d. h. nur Capitalgewinn erzielt, so würde das andere
; Grundstück ausser diesem Capitalgewinn noch eine Mehrein
nahme liefern, und dieser Ueberschuss allein würde die eigent-
; liehe Rente sein.
Die eben dargelegte Gedankencombination ist der Kern
der Ricardoschen Anschauungsweise. Sie besteht, wie man
sieht, in einer Reihe von Voraussetzungen, von denen eine jede
die Kritik herausfordert. Der Schluss aus dem fingirten Ge
bilde könnte an sich selbst ebenso richtig sein, wie jede streng
logische Verbindung von abstracten oder gar imaginären Be
griffen. Es würde aber hieraus noch nicht im Mindesten folgen,
dass jene Renten Vorstellung selbst eine thatsächliche Wirklich
keit ropräsentirte. Sobald man alle Voraussetzungen zugesteht,
wird man sich einem rein logischen Schluss aus denselben
sicherlich nicht entziehen können. Allein die Ricardosche An
ordnung dieser Voraussetzungen ist von solcher Art, dass ihnen