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Der Haiiptg-egner clor Ricardosclien Renteiitheorie ist Carey
lind zwar seit 1837 gewesen. Die Gründe, die er nach und
nach geltend gemacht hat, sind jedoch wichtiger für die Unter
stützung einer positiv richtigen Yorstellung von der Rente, als
für die Widerlegung Ricardos, die ohne Weiteres dadurch ge
schehen kann, dass man die Unhaltharkeit seiner Schlüsse
nachweist. Friedrich List hat es sich daher auch nicht im
Mindesten cinfallen lassen, die Malthus-Ricardosehen Ideen, und
insbesondere die Rentenlehre, für etwas anzusehen, was einer
umfangreichen Kritik bedürfte. Es ist daher nur die Sehul
propaganda gewesen, was uns zu einer umfassenderen DaiStel
lung genöthigt hat. An sich selbst könnte es höchstens die
verhältnissmüssige Zergliederungsvirtuosität des Urhebers und
die Verwandtschaft der Idee mit einigen wahren, ihr ähnlich
sehenden Elementen sein, was zu der geschichtlichen Einlassung
berechtigte. Die Wirkungen und Gegenwirkungen, zu denen
die Theorie geführt hat, sind als blosse Thatsachen allerdings
von allgemeinem geschichtlichen Interesse, würden aber nicht
genügen, wenn nicht das Thema an sich einige Bedeutung hätte
und auch ein originaler Irrthum über dasselbe seinen Werth
haben könnte.
7. Indem Ricardo seine Rentenvorstellung durchführte,
hatte er zugleich die Vertheilung mehr als jede andere Seite
der Wirthschaftsverhältnisse ins Auge zu fassen. In der That
kann man sagen, dass sein Gedankenkreis seinen Schwerpunkt
nicht in der Production, sondern in der Vertheilung habe.
Hieraus erklärt sich auch, dass neuere Soeialisten, wie Prou
dhon, Marx und Lassalle, ihm eine gewisse Aufmerksamkeit ge
widmet und sich seiner Vorstellungen bedient haben, um ihrer
seits sociale Schlüsse zu ziehen. Ausser der Rentenlehre, die
man zu Dcductionen gegen das Grundeigenthum benutzte, ist
neuerdings ein sogenanntes Lohngesetz als das Ricardosche
bezeichnet worden. Man hat nicht verfehlt, die Vorstellungen
vom Unterhaltsminimum auf die Ricardosche Schlussart da
durch zurückzuführen, dass man die BevölkerungsVermehrung
als den Grund geltend machte, welcher die Lohnsätze immer
wieder auf ihren alten Standpunkt des geringsten Unterhalts-
maasses zurückbringe. Mit demselben Recht hätte man diese Idee
aus Adam Smith entnehmen können, der sie in kurzen Worten
entwickelt, aber freilich durch andere Betrachtungen wieder