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dea verschiedensten Verhältnissen zur Welt kommen können.
In einer solchen Idee ist eine Vorstcllungsart enthalten, die
zwar nichts Absonderliches und Ungemeines, aber doch grade
genug enthält, um für Jeden, der ihrer fähig ist, auch den
Geisterspuk des Spiritismus möglich zu machen. Wäre Owen
nicht von der Superstition jenes Etwas unwillkürlich ausge
gangen, so würde er auch im höchsten Alter nicht die Geister
seines Vaters, seiner Mutter, des Herzogs von Kent u. s. w.
* citirt haben. Die eine Vorstellung ist der andern würdig ge
wesen, und mit dem Princip der allgemeinen Phantastik haben
wir auch einen Anhaltspunkt für die Erklärung der socialen
und utopistischen Tliorheitcn in der Hand. Die ausgeprägteste
der letzteren besteht darin, dass die Gri minais trafen als Maass
regeln angesehen werden, die unter der vollständigen Herr-
schait des neuen Gesellschaftsprincips und des nach ihm ge
stalteten oder vielmehr erst zu gestaltenden Charakters abgo-
schatlt werden müssten. Die neue Harmonie, von welcher in
Indiana das unvollkommene Pröbchen misslang, wird so voll
ständig sein, dass die strafrechtlichen Einrichtungen zu ent
behren sind. Indessen ist der Hauptgrund ihrer Abschaffung
nicht ihre zukünftige Entbehrlichkeit, sondern die Unmöglich
keit einer begründeten Zurechnung. Der Verbrecher thut Alles
nur nach Umständen und würde anders handeln, wenn er unter
andern Verhältnissen geboren und erzogen wäre, und wenn die
èociale Umgebung ebenfalls von anderer Beschaffenheit wäre,
als sie ist. Man kann die von Owen adoptirte Idee zuspitzen
und in ihrer Unhaltbarkeit blosiegen, wenn man hinzufügt,
dass der Verbrecher die That nicht begangen haben würde,
wenn nicht er selbst, sondern an seiner Stelle irgend etwas
Anderes vorhanden gewesen wäre, was an sich selbst und in
Beziehung zur Umgebung entgegengesetzte und erwünschte
Eigenschalten besessen hätte. Doch ist Owens Vorstellungs
lauf kaum werth, dass man eine ernstere Kritik zur Geltung
bringe. Ueberdies ist die Vorstellung von der allgemeinen
Unzurechnungsfähigkeit in deijenigen Gestalt, in welcher sie
sich im Leben gewöhnlich geltend macht, meist ein ganz ober
flächliches Aperçu, oder aber sie artet, wenn sie auf einer un
logischen Eixirung von einseitigen Ideen beruht, in eine halb-
wissenschaftliche Manie aus, deren praktische Folgen in einer
angeblichen Humanität und namentlich bei ärztlichen Urtheilen