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Erstes Buch. Die Begründer.
nicht zu befürchten sei 1 ). So drückt sich z. B. der Physiokrat
Mieabeaxj in seinem Buche: „L’ami des ho mm es“ aus, das als
Untertitel die Bezeichnung: Traite de la population (1755)
trägt. Die Gläubigen der natürlichen Ordnung konnten sich
auch nicht durch eine so natürliche Erscheinung wie die Vermeh
rung der Bevölkerung beunruhigt fühlen. Dieser Optimismus nahm
aber mit Godwin außerordentliche Proportionen an, dessen 1793 er
schienenes Buch „Political Justice“ starken Eindruck machte.
Man hat Godwin den ersten doktrinären Anarchisten genannt. Er
scheint auch zuerst das berühmte Wort geprägt zu haben: „Jede
Regierung, auch die beste, ist ein Übel.“ Auf jeden Fall war er
mit seinem unbegrenzten Vertrauen auf die Zukunft der Gesellschaften
ein Vorläufer des Anarchismus; gleiches Vertrauen brachte er dem
Fortschritt der Wissenschaft entgegen, der die Produkte in einem
solchen Maßstab vermehren werde, daß eine halbstündige tägliche
Arbeit genügen würde, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Ebenso
dachte er auch hinsichtlich der Entwicklung der Vernunft, die die
Einzelinteressen und den Kampf um den Profit zügeln werde. Ist
aber nicht zu befürchten, daß an dem Tage, an dem das Leben so
leicht und angenehm sein wird, die Menschen sich so vermehren werden,
daß die Erde sie nicht mehr ernähren kann? — Als Godwin diese
Frage stellte, ahnte er sicherlich kaum, welches furchtbare Problem
er damit anschnitt. In seinem unerschütterlichen Vertrauen antwortete
er ohne weiteres, daß diese Möglichkeit sich „erst in vielen Jahr
tausenden“ verwirklichen könne, daß sie wahrscheinlich überhaupt nicht
eintreten werde, weil die Vernunft die geschlechtlichen Triebe nicht
weniger kräftig, wie die Sucht nach Profit im Zaume halten würde; und
er erblickte sogar in der Ferne einen gesellschaftlichen Zustand, in dem
„der Geist die Sinne so sehr beherrschen wird, daß die Fortpflanzung
aufhört“, und in dem der Mensch unsterblich sein wird 2 3 ).
Zur gleichen Zeit erschien in Frankreich ein Buch, das mit dem
Godwin’s große Ähnlichkeit hatte: Esquissed’untableauhisto-
rique des progres de l’Esprit humain (Skizze einer ge
schichtlichen Darstellung des Fortschrittes des Menschengeistes) von
Condoecbt (1794). Es atmet das gleiche Vertrauen in das Vorwärts
schreiten der menschlichen Gesellschaften dem Glücke entgegen, in
die Allmacht der Wissenschaft, — die, wenn sie den Tod nicht aus
der Welt schaffen kann, ihn wenigstens in weite, weite Ferne zu
rücken vermag a ); — und diese Zuversicht ist nicht ohne eine ge
b Siehe hierüberStangbland, Pre-Malthusian Doctrines, New-York, 1904.
2 ) Godwin; Political Justice, B. YIII, Kap. VII; Neudruck, London, 1890.
3 ) „Allerdings wird der Mensch nie unsterblich werden, aber ist es nicht möglich,