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entspricht der Inhalt seiner Abhandlung ernstlich der Aufschrift
derselben und befindet sich nicht, wie neuerdings behauptet
worden ist, im Widerspruch mit der mercantilen Gedanken-
nchtung. Im Gegentheil kann man grade an dieser kleinen
öchrift studiren, wie alle Hauptzweige der wirthschaftlichen
ihätigkeit dem dominirenden Gedanken der Metallbeschaffung
unterworfen und nur in ihren Beziehungen zu diesem Gegen
stände betrachtet wurden. Freilich kann man aber auch ebenso
ersehen, dass die ganz groben Unterschiebungen, welche in
neuster Zeit den Autoren der mercantilen Richtung einen fast
für Kinder greifbaren Widersinn angedichtet und sich hiemi;
selbst das Urtheil gesprochen haben, nie und nirgend auch nur
annähernd zutreffen, wo höhere Bildung und gesundes Urtheil
vorhanden waren. Eine gänzliche Verkennung der allgemeinen
auf der Hand liegenden Ursachen des Wohlstandes hat stets
nur da Platz gegriffen, wo überhaupt jedes selbständige Urtheil
Völlig mangelte. Abgesehen von dem letzteren Fall, der fast
nur auf dem Gebiet der Verschulung und der den scholastischen
Ueberheferungen specifisch anhaftenden Beschränktheit ror-
kommt, haben es die Vertreter der mercantilen Richtung nicht
an einom gewissen Verständniss der Thatsachen und oft genug
auc 1 nicht an einem solchen Maass von Geist fehlen lassen,
wie man es in der Sphäre der wissenschaftlich constituirten
Nationalökonomie der neusten Zeit in mehrfachen Richtungen
nur zu häufig nicht aufzufinden vermag.
Die wirthschaftlichen Schriftsteller der Italiener aus der
jüngsten Zeit nehmen im Hinblick auf die lange Reihe von
Werken, welche sie unter die Rubrik der Volkswirthschafts-
lehre bringen, für ihre Nation eine ganz besondere Stellung in
Anspruch. Sie gehen nicht selten gradezu von der Idee aus,
«ass sicli die Nationalökonomie in Italien selbständig oder
wenigstens in fester Haltung gegen theoretische Ausschwei
fungen anderer Nationen entwickelt habe. Der Streit über diese
Ansprüche wird nun aber sofort in die richtigen Bahnen ge-
eitet, wenn man sich erinnert, dass es sich in letzter Instanz
doch immer um die wissenschaftlich gestaltete Oekonomio han-
( e n weide, die nicht viel über ein Jahrhundert alt ist. Im
mblick auf diese viel bestimmter gestellte Frage wird man
ün allerdings zugeben können, dass die Italiener vor der Pflege
einiger Abirrungen dadurch bewahrt geblieben sind, dass bei