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der alten für den wirklichen Bedarf schon zu viele sind und
die Gehälter denn doch auch nicht noch auf mehr Luxus an
gelegt zu werden brauchen. Von solchem Luxus und dem
Maass des Zehrens aus öffentlichen Mitteln und Volkssteuern
hängt weder für die Wissenschaft noch für die Ausübung der
Lehrthätigkeit die Leistungsfähigkeit ab. Wie man auch allen
falls ohne jegliches Gehalt und dabei ohne irgend welches Ver
mögen, blos auf die eigne Arbeit und deren Ertrag unter un
günstigen Chancen angewiesen, ja trotz körperlicher Invalidi
tät, nämlich ohne Augen, dennoch in der doppelten Richtung
der literarischen und lehrenden Thätigkeit und zwar in mehr
als einer Wissenschaft einen Platz in nicht gemeiner Weise
ausfüllen könne, dafür habe ich den Universitätsprofessoreu ein
ihnen nicht unbekanntes Beispiel geliefert. lieber den üniver-
sitätsnepotismus aber, d. h. über die vetterschaftliche Verge
bung der Sprösslings- und Schwicgerprofessuron, müssen sie
sich selbst gegenseitige sociale Lectionen ertheilen und können
dabei Vergleichungen über die alten Handwerkerzünfte nebst
dem Institut des Einhcirathens in den monopolisirten Gewerbe
betrieb zu Nutz und Frommen der als Reste der Zunft Verfas
sung stehen gebliebenen Universitätsfacultäten anstellen. Auch
haben sie, wenn sie durchaus Malthussche Recepte anbringen
wollen, eine gute Gelegenheit, wenigstens eine Analogie davon
auf ihren eignen Stand anzuwenden. Die Ungenirtheit geht
hier in den verschiedensten Fächern oft sehr weit, indem ein
zelne in der Intrigue besonders gewitzte Professoren die Uni
versitätsstellen mit ihren Söhnen und Schwiegersöhnen förm
lich besäen. Angesichts solcher Zustände wurde es in dieser
Species auch möglich, dass jugendliche und unreife Anfänger,
die kaum im Anfang der Zwanziger standen, ohne Verdienste
und Talente, ja selbst ohne die Fähigkeit zu einem leidlichen
Vortrag, sofort in Professuren gesteckt werden konnten. In der
jetzt kathedersocialistischen Sphäre sind, ohne hier noch von
andern Zweigen reden zu müssen, allein schon Beispiele genug
vorhanden; es sei nur an die Herren Held in Bonn und Adolph
Wagner in Berlin erinnert, die beide unter die Rubrik der früh
untergebrachten Professorsöhne gehören.
Aus dieser übel angebrachten und den Beruf schon durch
die Verschlechterung der Race verderbenden physischen oder
geistigen Inzucht erklärt sich auch der elende Zustand jener