Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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fuhrzölle auf Alles, was den Fabriken dient; Fernhaltung der 
ï^rxeugnisso der fremden Manufacturen durch Zollerhöhungen.’ 
Mit andern Worten heisst dies soviel als Beförderung der Ein 
fuhr der Rohstoffe und Entwicklung einer eignen, exportfähigen 
Manufacturindustrie. Dennoch würde man irren, wenn man 
die völlig allgemeine Maxime der Erleichterung des Bezugs 
der Rohstoffe und der Förderung der Fabricatenausfuhr in 
ihrer ganzen Tragweite und in ihrem modernen Sinn als deut 
lich bewussten Antrieb voraussetzen wollte. 
Was vom Standpunkt der heutigen Wissenschaft his zur 
grössten Klarheit und zur gewissesten Einsicht entwickelt wer 
den kann, ist der Satz, dass die Steigerung der den höheren 
Beschäftigungsarten, also der eigentlichen Industrie zugeführten 
Kräfte eine Veredlung der gosammten Volkswirthschaft mit 
sich führt, welche die Nation zu einer höheren Rangstufe auf 
steigen und ihre absolute wie relative Macht wachsen lässt. 
Die Idee dieser Veredlung des wirthschaftlichen Könnens im 
Gegensatz zu dem Beharren auf der niederen Stufe eines un 
entwickelten und ohne eigne Industrie auch nicht gehörig ent 
wickelbaren Ackerbaues, — diese eminent moderne Idee der am 
meisten fortgeschrittenen Theorien konnte in ihrer strengen 
Allgemeinheit früher schon darum nicht vorhanden sein, weil 
sie in dieser reinen Fassung noch gar nicht die nähere Be 
schaffenheit der Mittel einschliesst, durch welche die Erhebung 
aus den roheren Zuständen zu bewerkstelligen ist. Das Schutz 
system ist nur eine vereinzelte Gestaltung, in welcher man 
glauben konnte jenes Ziel verfolgen zu müssen. Colbert hatte 
nun ausser dem Zollschutz, den er Holland gegenüber so nach 
drücklich zur Anwendung brachte, noch ein Gebiet innerer 
Mittel im Auge, die zum Theil director und positiv fördernder 
Art waren. Man kann über die Einzelheiten dieser Seite seiner 
Praxis streiten und die Reglementirungsgrundsätze in ihrer be 
lästigenden Gestaltung verwerfen, aber dennoch zugleich an 
erkennen, dass dieser Positivismus der staatsmännischen Thä- 
tigkeit innerhalb gewisser Grenzen auch für andere Zeitalter, 
als dasjenige Ludwigs XIV., alsdann aber selbstverständlich in 
freieren nichtpolizeilichen Formen, eine Bedeutung zu erhalten 
vermöge. Die Fürsorge für die Heranziehung geschickter Kräfte 
vom Auslande und die Beschämung der Mittel und Vorbedin 
gungen zur Steigerung der einheimischen Fertigkeiten ist eine
	        
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