Object: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

immerhin. dem Wandel ausgesetzt sein kann, mit Gewalt 
eingreift, nimmt Verantwortungen auf sich, die nicht leicht 
yetragen werden können. 
Wir deuteten oben die besondere Lage an, die sich 
ür die. deutsche Sozialrolitik durch den Ausgang des 
<rieges und dem sog. Friedensvertrag ergibt. Es 
cönnte nun so scheinen, als ob gerade dieser Vertrag, der 
bekanntlich Bestimmungen über internationale Ordnung 
der Sozialpolitik vorsieht, die „Autonomie des sozialen 
Gedankens“ begründet habe; erscheint doch die Sozial- 
zesetzgebung nach ihm als zwischenstaatliche 
Angelegenheit, nicht mehr nur als nationale Funk- 
tion. So sehr man nun manche Einzelleistung des Inter- 
1ationalen Arbeitsamtes anerkennen wird: die Erwartun- 
zen derer, die von Seiner Tätigkeit eine völlige Neu- 
orientierung auf sozialem Gebiete erhofften, wurden gewiß 
nicht befriedigt. Auch andere Hoffnungen stießen bisher 
'ns Leere, und wenn die englische Arbeiterregierung auch 
die Truppen aus dem Rheinland zurückzieht, so war doch 
kaum ein englischer Bourgeois ein so unerbittlicher Gläu- 
iger in Geldsachen wie ihr sozialistischer, dem Ssozial- 
politischen Theoretiker wohlbekannter Finanzminister, Tat- 
sächlich ist die Sozialpolitik heute in einem gegen früher 
zeradezu vertieften Sinn nationale Sache geworden, 
ind es sollte nicht unmöglich sein, auch von hier aus ihre 
„Autonomie“ zu begründen. Geht man so vor, 
dann ist allerdings Rücksichtnahme auf die 
Wirtschaft etwas Selbstverständliches; denn 
die Leistungen dieser Wirtschaft Sollen 
Deutschland, so will es gerade seine jetzige 
Regierung, politisch irei machen. 
Eine kleine persönliche Erinnerung, sei gestattet: In den 
Tagen des Kapp-Putsches hat Verfasser, damals Professor 
an der Berliner Universität, sein sozialpolitisches Seminar 
jamit eröffnet, daß er auf die Notwendigkeit hinwies, die 
Unabhängigkeit der Sozialpolitik von jeder Art politischen 
Wechsels durchzuhalten. Vielleicht ist nun die theo: 
retische Begründung solcher Autonomieforderung, wie 
sie hier versucht wurde, nicht ganz lückenlos; und wenn 
sie es sein sollte, so ist Logik doch nur eine Akzidenz, 
kein entscheidendes Motiv hoher Politik. Man wird immer 
den Willen anrufen, wird an das appellieren müssen, 
was alle einigen könnte: die soziale Verpflich- 
tung. Hat schon der Obrigkeitsstaat sich freiwillig. die 
Beschränkung auferlegt, welche praktisch in der Sozial- 
gesetzgebung enthalten ist, so wird die Demokratie’ es auch 
tun können; das würde besagen, daß auf einem entschei- 
denden Gebiet von Verwaltung, Gesetzgebung und Recht- 
sprechung das Machtmoment unbedingt zugun- 
sten von Lösungen auszuschalten wäre, die 
„technisch“, vom Standpunkt des Beamten, „Orga- 
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