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meist die Namen Chamber of commerce oder Board of trade. In
New Yorknnd einer Reihe von anderen Städten bezeichnet Chamber
of commerce eine Vertretung der allgemeinen Handelsinteressen,
während unter einem Board of trade eine Institution verstanden
wird, welche die Vertretung der Interessen der am Orte arbeiten
den Mitglieder zur Aufgabe, bisweilen sogar nur ganz be
stimmte Interessen der Mitglieder (z. B. Kreditversicherung) im
Auge hat. In New York nimmt die Chamber of Commerce die
großen, allgemeinen Handelsinteressen wahr; ein Board of trade
and Transportation widmet sich den Interessen des örtlichen
Handels- und Verkehrslebens; daneben bestehen die Börsenvereine
der Stock Exchange, der Produce Exchange, der Cotton-Ex
change usw., welche sich als Spezial Vertretungen ihrer Branchen
betrachten und die Interessen ihrer Mitglieder, besonders durch
Ermöglichung von Börsenversammlungen und Erleichterung des
Telegraphen- und Telephonverkehrs, fördern. — An manchen Orten
ist jedoch unter einem Board of trade auch eine Vertretung der
allgemeinen Handelsinteressen zu verstehen, wie in Chicago und
Philadelphia; und umgekehrt bezeichnet Chamber of commerce
an manchen Orten, z. B. Albany, eine Institution, welche sich rein
örtlichen Interessen widmet. Bisweilen finden sich Körperschaften
beider Bezeichnungen in einer Stadt, ohne in ihrem Programm
wesentliche Verschiedenheiten zu haben; neben ihnen findet sich
möglicherweise dann noch eine Merchants’ Association mit ganz
ähnlichem Programm. Außer diesen Vertretern allgemeiner Han
del sin teressen gibt es, ohne die Möglichkeit genauerer Abgrenzung,
Körperschaften zur Förderung von lokalen Zwecken oder auch
von mehr oder weniger speziellen Brancheninteressen.
Bei aller Verschiedenheit in Bezeichnung, Verfassung und
Aufgabenkreis haben die Handelsvertretungen der Vereinigten
Staaten, oder wenigstens die größeren unter ihnen, in der Regel
eines gemeinsam, das Prinzip der beschränkten Mitgliederzahl.
Die Folge dieses Systems des numerus clausus ist, daß die Mit
gliedschaft ein wertvolles und kostspieliges Recht wird und die
Teilnahme an den Handelsvertretungen nur den wohlhabendsten
Kreisen möglich ist. Man erklärt dieses System zum Teil damit,
daß man schwächere Existenzen fernhalten müsse, um die Kammer
tatkräftig zu erhalten. An anderen Orten erklärt sich der hohe
Kaufwert der Mitgliedschaft an der Chamber of commerce oder
dem Board of trade dadurch, daß mit ihnen eine hohe Hinter
bliebenenversicherung verbunden ist. An einigen Orten ist die
Mitgliederzahl nicht durch Statut fest beschränkt. Die Mitglied
schaft aber ist verkäuflich und der Eintritt in die Kammer ohne
Erwerb einer solchen so kostspielig, daß tatsächlich nur soviel
neue Mitglieder eintreten können, als alte Mitgliedschaften frei
werden. (In Chicago beträgt das offizielle Eintrittsgeld 10 000
Dollar, ein Transferable Certificate 3—4000 Dollar.)
Numerus
clausus.