Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

226

ITALIEN  —  Pama.

von  Krîegsbedürfnissen  und  von  Gemälden.  Der  Erbprinz  ward  1801,
als  Verwandter  des  span.  Königshauses  und  aus  Rücksicht  für  dieses,
von  Bonaparte  zum  „Könige  von  Hetrurien“  (Toscana)  erhoben.  Er
verzichtete  dafür  auf  Parma,  welches  Napoleon  indcss  (wegen  der  andern
Mächte)  erst  unterm  21.  .liili  1805  (grössteutheils  als  Departement
des  Taro)  mit  Frankreich  vereinigte.  Ein  Vertrag  der  Grossmächte
vom  10.  April  1814  theilte  Parma  der  zweiten  Gemahlin  Napoleons,
der  österr.  Erzherzogin  Marie  Louise  zu,  doch  mit  der  Beschränkung,
dass  die  Regierung  nach  dem  Ableben  der  Erzherzogin  nicht  auf  ihren ­
  Sohn,  sondern  auf  die  alte  llerzogsfamilie  von  Parma  übergehe,
welche  sich  bis  dahin  mit  Imcca  zu  begnügen  habe.  (Umlang  Parmas
im  Jahre  1815  90  Q.-M.  mit  083,000  Einw.)  Dieser  Fall  trat  am
17.  Dec.  1847  ein,  bei  welcher  Gelegenheit  das  üerzogthum  auch
einiges  Gebiet  von  Toscana  erhielt.  1848  bildete  J*arma,  bis  zum
Salascovertrago,  einen  Bcstandtheil  des  Subalpinischen  Reiches  Karl
Alberts  von  Sardinien.  Das  Land  ist  seitdem  immer,  besonders  stark
seit  der  Ermordung  des  Herzogs  und  einem  Aufstandsversuche  1854,
von  österreichischen  Truppen  besetzt.

Budget  für  1854
Regelmässige  Einnahme  7'ß()0,000  L.
Ausserordentl.  ,.  240,000
Gesammteinnahmc  7’840,000
Ausgabe  .  .  .  8’200,000
[)enciri60,0ÕÕ

Budget  für  1850
Ordentliche  Einnahme  .  8’257,370
„  Ausgabe  •  8’078,413
Daneben  aber  ein  ausserordentl.
Budget  von  0302,582  Lire.  Obiger
tieberschuss  ist  nur  auf  dem  Papiere
vorhanden.

Im  Beginne  des  Jahres  1854  vernahm  man  aus  Parma  von  höchst
ungewöhnlichen  Finanzmaassregeln.  Thomas  Ward,  ein  Günstling  des
Herzogs,  britischen  Ursprungs,  früher  in  den  niedrigsten  Diensten,  erhielt ­
  das  Privilegium  zum  Betriebe  aller  Eisen-  und  Kupferminen  im
ganzen  Lande,  auch  der  etwa  später  noch  anzulegenden;  Staatsgüter,
im  Werthe  von  2  Mill.,  wurden  ihm  um  100,000  Lire  verkauft.  Für
sich  selbst  Hess  der  Herzog  nicht  nur  die  Antiagen  möglichst  erhöhen,
sondern  er  befahl  auch  (wie  schon  1849  einmal  geschehen  war)  wieder ­
  ein  Zwangsanlehen,  zog  das  Vermögen  der  Wohlthätigkeitsanstalten
  ein,  und  Hess,  um  in  den  Besitz  des  sämmtlichen  Metallgeldes
zu  gelangen,  Schatzbons  mit  Zwangscours  ausgeben;  was  er  auftreiben
konnte,  legte  er  im  Auslande  an.  Nach  Ermordung  des  Herzogs
(27.  März  1854)  verwandelte  seine  Gemahlin,  nun  Kcgentiii,  das  gezwungene ­
  in  ein  freiwilliges  Anlehen  von  2  Mill.  Lire  und  hob  die  Verordnung ­
  wegen  Einziehung  des  Vermögens  der  Wohlthätigkeitsanstalten  auf.
Die  Schuld  wurde  schon  1854  auf  14’800,Ü0()  Lire  geschätzt,
wovon  5  Mill,  aus  unbezahlten  Forderungen  bestanden.  Das  gcsaminte
unmittelbare  Staatseigenthum  soll  um  1850  noch  einen  Werth  von
etwa  20  Mill.  Lire  gehabt  haben.  Jetzt  dürfte  diese  Summe  wahrscheinlich ­
  verringert  sein.
Das  Militär  soll  auf  dem  Friedensfusse  2773,  auf  dem  Kriegsfusse
  4033  M.  zählen,  bestehend  aus  Garde,  2  Linienbataill.  (im
Frieden  750,  Krieg  1290  M.),  1  Jägercompagnie,  etwas  Artillerie
und  400  M.  Gendarmerie.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.