erst gefühlt wird, nämlich: Wirtschaftsdemo-
kratie ist die Beteiligung der Masse an der,
Führung der wirtschaftlichen Produktion.
„In dieser Formel bleibt offen. wer die Masse ist, was
unter Führung verstanden wird und zu welchem Zweck
und bis zu welcher Grenze die Masse an der Führung be-
teiligt wird. Die. Diskussion um das Thema ist allenthalben
noch zu jung, um hier klarere Züge erkennen zu lassen.
Und in der Mehrzahl der Länder existiert die Diskussion
überhaupt nicht, wobei abzuwarten bleibt, ob sie jemals
das Interesse der Oeffentlichkeit gefangennehmen wird,
Was versteht der Amerikaner unter WirtschaitsS-
demokratie?
Zweifellos die in seinem Lande bestehende wirtschaftliche
Ordnung. Die Masse der Käufer ist an der Führung der
Produktion beteiligt, . wenn nicht unmittelbar, So doch
mittelbar und deshalb nicht weniger fühlbar: Durch Kauf
oder Nichtkauf gibt sie ihr unmißverständliches Urteil
darüber ab, ob die. Herstellung gut oder billig, schlecht
oder teuer ist. Kauf oder Nichtkauf erfolgt nicht zum
Zwecke der Anerkennung oder der Kritik an der Pro-
duktion, sondern wie überall zur Befriedigung eines
Wunsches oder eines Bedürfnisses. Aber untrennbar mit
der Einstellung zum Kauf ist das Urteil über die Pro-
duktion verbunden. Der Amerikaner versteht noch, daß
Produktion dem Absatz dient, und er findet es
gerecht und demokratisch, daß jedermann, unabhängig
davon, ob er zu dem produzierenden Unternehmen in
irgendeiner Fühlung steht, sein Urteil über diese
Produktion betätigen und sie damit in ihrer
Führung beeinflussen kann. Das ist übrigens
auch in allen anderen Ländern der Fall, nur mit dem
Unterschied, daß beispielsweise in Europa die Erkenntnis.
daß der Absatz über die Produktion entscheidet, weniger
im Vordergrund steht, weil andere, scheinbar wichtigere
Probleme die Produktion beschäftigen. Der Amerikaner
ist in der Betätigung ‚dieser seiner Auffassung von der
Wirtschaitsdemokratie so weit gegangen, daß er durch die
Monopolgesetzgebung verbietet, daß ein Unter-
nehmen produktionsbeherrschend wird und damit die
Preisgestellung diktiert, was die Masse Käufer natürlich
der Möglichkeit entheben würde, ihr Urteil über Güte oder
Mängel der Ware und damit der Produktion frei auszu-
üben, insbesondere dann, wenn es sich um Bedürfnisgüter
handelt. Und das ist eben nicht demokratisch,
Die amerikanischen Gewerkschaften sind der Auf-
fassung, daß ,
die Beeinilussung der Produktion durch das Urteil
der Masse Käufer gut
ist; aber nicht genügt, und daß diejenigen, die in der Pro-
duktion tätig sind, einen Vorzug haben sollen, Sie sollen
nämlich bestimmen, ehe die Ware zum Verkauf und damit
dem Urteil der Käufer unterbreitet wird, welchen Preis
bei der Produktion der Ware die menschliche Ar-
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