fullscreen: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I. Buch. Production und Consumtion. 
angebauten Arten von Nahrungsmitteln, dein Korn und den Kartoffeln, 
waren nur die letztem in ungenügender Menge geerntet worden, während 
Korn im ganzen Lande im Ueberfluß gewachsen war. Aber die Recht--- 
institutionen des Landes machten es möglich, daß das Korn ausgeführt wurde 
und daß mehr als eine Million Menschen dem Hunger oder seinen Folgen 
erlagen. Noch furchtbarer hauste die Hungersnoth in den Jahren 1876 bis 
1878 in verschiedenen Gegenden Indiens. Dieselbe raffte, obgleich Nahrungs 
mittel in die betreffenden Gegenden zugeführt werden konnten und sogar, wäh 
rend die furchtbare Geißel wüthete, von dort ausgeführt wurden, mehr als 
fünf Millionen Menschen dahin. 
In welcher Richtung sich die vorbeugenden Maßregeln bewegen müssen, 
hängt natürlich von der Beschaffenheit der Umstände ab. Im allgemeinen ist 
indessen zweierlei festzuhalten: 
1. Je weniger ausgedehnt das durch Communicationsmittel verbundene 
Gebiet ist, desto weniger wirksam erweisen sich die durch die letztern gewährten 
Vortheile; und je wahrscheinlicher es ist, daß weit ausgedehnte Gegenden von 
einer Mißernte heimgesucht werden, desto nothwendiger erweist sich die An 
sammlung von Nahrungsmittelvorräthen, die für ein bis zwei Jahre aus 
reichen, wie das vor alters in Indien allgemein üblich war. 
2. Die Ernährung des Volkes sollte in erster Linie mittelst der im Lande 
erzeugten Lebensmittel bewirkt werden, und dieselben sollten diesem Zwecke 
nicht mit Hinweis darauf entzogen werden, daß sie von den Wohlhabenden 
oder sogar von Fremden besser bezahlt würden als von darbenden Leuten - 
II. Als das z w e i t e H a u p t b e d ü r f n i ß der Menschen erscheint dasjenige 
nach geeigneten Wohnungen. In kalten oder feuchten Gegenden ver 
ursacht die Beschaffung gesunder Wohnungen selbst für die armen Familien 
beträchtliche Kosten, welche sich allerdings unter gewissen Umstanden, nämlich 
i Die von Adam Smith aufgestellte Behauptung, die unbeschränkte Freiheit des 
Kornhandels sei das einzige wirksame Hilfsmittel gegen Hungersnöthe, ist ganz un 
richtig. Wo schrankenlose Freiheit in dieser Hinsicht besteht, kann sich eine Hungcrs- 
noth dadurch noch schlimmer gestalten, daß Lebensmittelvorräthe aus der nothleidende" 
Gegend exportirt werden. Und unter Umständen wird diese Freiheit auch da, wo der 
artiges nicht vorkommt, den Nothleidenden nichts helfen. Was hilft diesen das ein 
geführte Getreide, wenn sie es nicht zu bezahlen vermögen? Der Grund dieser irr- 
thümlichen Ansicht ist zum Theil in der übertriebenen Betonung des Grundsatzes ,Laissez 
faire, laissez passer 1 zu suchen, dann aber auch in der Uebung, alls den in einzelne" 
Ländern bestehenden Verhältnissen voreilig allgemeine Schlüsse zu ziehen. Daraus, 
daß sich die freie Kornzufuhr in einem reichen Lande mit einer Arbeiterbevölkerung' 
welche die Unternehmer in ihrem eigenen Interesse nicht Hunger leiden lassen, in Zelte' 
des Mangels nützlich erweist, folgt nicht, daß dem in andern Ländern ohne Jndustr« 
oder überhaupt in Gebieten mit andern Lebensverhältnissen ebenso sei.
	        
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