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XI. Abschnitt
Die Reichsführung
Die Kur des Reichsführers
Der jungdeutsche Vorbereitungskampf für den Volksstaat hat
gelehrt, daß weite Volkskreise aus Gründen der erbmonarchischen
Tradition die geschichtliche Stetigkeit der obersten Reichsführerschaft
nur im dynastischen Legitimismus gesichert sehen. Der Ursprung
dieser Ansicht liegt in dem Wunsche, für die oberste Führung des
Reiches ein System zu verankern, welches jeden Führerstreit aus—
schließt. Es ist selbstverständlich, daß ein System, welches zum Gegen—
kaisertum führen kann, für ein Volk untragbar ist.
Gegenkaisertum ist dann möglich, wenn in der
Führerfolge der obersten Spitze verschiedene Rechts—
auffassungen eintreten können.
Der Legitimismus sieht die Führerfolge in der Geschlechterfolge
des erbdynastischen Geschlechtes. Nach diesem System ist der jeweilige
älteste Sohn des Herrschers der vorher bestimmte Erbe des Thrones.
Der Thron vererbt sich nach selbstverständlichen Gesetzen als das
Eigentum der herrschenden Dynastie. Die Herrscherfolge ist hier
klaren und unverrückbaren Gesetzen unterworfen. Nach der Lehre vom
Volksstaat kann aber das Schicksal eines Volkes nicht an die Ver—
gänglichkeit eines Geschlechtes gebunden werden. Einzelne Geschlechter
vergehen oder entarten.
Die Vergangenheit zeigt, daß das ganze deutsche
Volkbis an den Rand des Abgrundes geführt wurde,
weil es nach dem Grundsatz einer legitimistischen
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