106 ERSTER TEIL: GEOGRAPHISCHE GÜTERLEHRE
Mehr als drei Viertel der Kopra liefern Südostasien, vor allem Hinter-
indien, Niederländisch-Indien und die Philippinen; außerdem ist sie für
viele ozeanische Inseln das Hauptausfuhrgut. — Kopra und Palmkerne
werden in den europäischen Fabriken zu Öl verarbeitet. Die feinsten
Sorten kommen als Speiseöl in den Handel, der größere Teil aber wird
zu vorzüglichen Speisefetten (Palmin) und in der Seifen-, Kerzen- und
Parfümindustrie verwandt. Frankreich und Deutschland brauchten
bisher den größten Teil des Rohmaterials. Während des Krieges hat
3ich auch die Ölindustrie Englands stark vergrößert.
Das Palmöl, daneben auch das Öl der Erdnuß, für die ebenfalls
die Guineaküste ein Hauptexportgebiet ist, haben das Olivenöl auf
dem Weltmarkt sehr stark zurückgedrängt. Dieses wird aus den
Früchten des Ölbaums gewonnen, der für alle küstennahen Länder
des Mittelländischen Meeres eine Charakterpflanze ist. Der Markt der
südeuropäischen Länder wurde noch mehr eingeengt, seitdem der Oliven-
anbau in den mit mediterranem Klima ausgestatteten Staaten der Union.
in Kalifornien und Arizona, große Ausdehnung angenommen hat.
KAUTSCHUK
Der Kautschuk verdankt seine Bedeutung besonders der Ent-
wicklung des modernen Verkehrs; denn die schnelle Steigerung seines
Bedarfs hängt vor allem zusammen mit der zunehmenden Verwendung
des Fahrrades und des Automobils und mit der Ausbreitung des Kabel-
und Telegraphennetzes über die Erde.
Kautschuk ist der durch Eindickung erstarrte Milchsaft verschiedener
Pflanzen, namentlich kommen baumartige Wolismilchgewächse, verschiedene Fei-
genarten und einige Schlinggewächse (Gummilianen) für die Gewinnung in Be-
bracht. Alle sind echte Bewohner der Tropen. Man gewinnt den Saft durch
Einschnitte in die Rinde der Pflanzen. Der an den Wunden ausquellende
Milchsaft fließt in das am unteren Ende des Schnittes angebrachte Gefäß,
Sind die Schnitte nicht zu tief und zu lang, so vernarben sie wieder, und der
Baum kann nach einiger Zeit von neuem angezapft werden. Die in den Ur-
wäldern Brasiliens arbeitenden Kautschuksammler haben aber häufig, um mög-
lichst viel Kautschuk in kurzer Zeit zu gewinnen, so starke Schnitte angebracht,
daß die Bäume eingingen; oft wurden auch die Bäume zur bequemeren Aus-
beute ganz umgeschlagen.
Die Folge der rücksichtslosen Raubwirtschaft war ein schneller
Rückgang der wildwachsenden Kautschukbestände in den von dem
Sammelbetrieb erreichbaren Gebieten. Da aber gleichzeitig der Welt-
bedarf ganz außerordentlich stieg, ist man schon früh zur Anlegung
von Kautschukpflanzungen geschritten. Zuerst (schon 1864) be-
gannen damit die Niederländer auf Java, Borneo und Sumatra. In
großzügiger Weise wurde darauf die Kautschukkultur von den Eng-
ländern in Angriff genommen, die heute ungeheure Pflanzungen auf
der Halbinsel Malakka, im südlichen Vorderindien und auf Ceylon
besitzen. Den unmittelbaren Anlaß dazu boten neben dem steigenden
Bedarf an Gummi die Schwierigkeiten, in die zahlreiche Tee- und
Kaffeepflanzer dieser Gebiete infolge der die Plantagen häufig befallen-
den Blattkrankheiten und infolge der aufkommenden Konkurrenz des
billigen brasilianischen Kaffees gerieten. Auch in den Kolonien des