Contents: Neuere Zeit (Abt. 2)

Dentschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 427 
mäßig nicht zahlreich, und sie erfolgen vor allem nicht in frucht⸗ 
—äD000 
wenigen und entscheidenden Momenten als mit der außer— 
deutschen Politik in Zusammenhang stehend, wenn nicht gar 
völlig von außen veranlaßt. Und so ist es denn der allgemeinste, 
über die Reichsgrenzen hinweg verlaufende Zug der Politik, 
den wir der Hauptsache nach als Richtung und Form gebend 
zu verfolgen haben, während die Ereignisse der innerdeutschen 
Politik im allgemeinen mehr Episode bilden und nur, wenn man 
sie in sehr weit gespannten Betrachtungen überblickt, innere Zusam— 
menhänge, dann freilich von beträchtlicher Bedeutung, aufweisen. 
Für die große Politik aber ist es vielleicht am bezeich— 
nendsten, daß sie ständig um die Frage spielt, inwiefern die 
alten Grenzen des Reichs noch gehalten werden können — ja 
inwiefern sie überhaupt noch klar und deutlich erkennbar seien. 
Denn nicht überall haätte hier der politische Verlauf an sich 
wie namentlich das westfälische Friedenswerk durchsichtige Ver— 
hältnisse geschaffen oder schaffen wollen: und eben die Zweifel⸗ 
haftigkeit an sich erscheint als eins der charakteristischsten Kenn— 
zeichen des Verfalls der alten Reichsgewalt. 
Dabei waren im Grunde alle Reichsgrenzen unsicher; die 
nördliche und südliche wie die östliche und westliche. Vor allem 
litten aber doch die Marken im Osten und Westen: jene 
deutschen Grenzen, die durch keinerlei starke natürliche Schutz— 
werke bezeichnet sind. Und in ihrem allgemeinen Bereiche waren 
wieder die des Südwestens und des Nordostens besonders un— 
sicher. Denn mochte auch der Südosten von den Türken be— 
drängt, der Nordwesten von den Franzosen angegriffen werden, 
so waren hier doch noch stärkere Mächte, Österreich im Osten 
und die Niederlande im Westen, zur Abwehr bereit, und hinter 
ihnen standen, wurden sie selbst kritisch bedroht, starke allgemein 
europäische Interessen: im Osten die gemeinsame Abneigung 
der Christenheit gegenüber den Moslemin, im Westen jene 
Animosität, die mindestens ganz Westeuropa und insbesondere 
die Seemächte zum Widerstande gegen die drohende Gefahr 
einer französischen Universalherrschaft verband.
	        
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