Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich 1“.3 Königtum und Papsttum im Kampfe. 333 
ständischen Fürsten, namentlich auch des Herzogsohnes Magnus 
von Sachsen. Die Bedingungen waren glimpflich; nach kurzer 
Zeit sahen sich die Schuldigen wieder im Genuß der königlichen 
Gnade, und 1072 wurden sie ihrer Haft entlassen. Nur Magnus 
wurde zurückbehalten. Ende März 1072 war sein Vater ge— 
storben; Magnus sollte ihm folgen; aber der König wollte ihn 
nicht entlassen, ehe er nicht besondere Bürgschaften seiner Treue 
gegeben hätte. 
Da fragten in Sachsen bange Stimmen, was denn der 
König eigentlich bezwecke? Wolle er etwa das Herzogtum ab⸗ 
schaffen, das einzige erbliche im Reiche, den Stolz des Stammes? 
Um diese Zeit beabsichtigte König Heinrich einen Feldzug 
nach Polen und ließ dazu auf einem Augsburger Reichstage 
Pfingsten 1073 einen Heereszug ausschreiben. Auch die Sachsen 
sollten daran teilnehmen. Aber in Sachsen trug man ganz 
andere Kunde über den Zug von Mund zu Munde. Der 
polnische Krieg sei Vorwand; das Heer werde in Sachsen ein— 
brechen; die Sachsen sollten vertrieben werden; das schöne Land 
eigne sich besser für die Schwaben, die Lieblinge des Königs. 
Zum Kampf müsse man eilen; es handle sich um Haus und 
Hof, um Weib und Kind, um die teuersten Güter des Lebens. 
Inzwischen erschienen, Ende Juni 1073, die sächsischen 
Großen zu Goslar am Hofe Heinrichs, sie wollten um Erlaß 
der Heerfahrt nach Polen bitten. Heinrich wies sie ab, nach⸗ 
dem sie mehrere Tage gewartet; fie wurden des königlichen 
Anblicks nicht gewürdigt. Das faßten sie als unverdiente 
Demütigung auf; eine Verschwörung aller Großen mit Aus— 
nahme von drei Bischöfen bestand, fast ehe sie geplant war. 
Und nun trafen sich Fürsten und Volk in Wormsleben bei 
Mansfeld; in feurigen Reden und maßlosen Übertreibungen 
suchte und fand man, nach nochmaligen Verhandlungen mit dem 
Könige, den Mut, gegen die Harzburg, den Aufenthaltsort des 
Königs, zu ziehen. Der König war gegen den plötzlichen An— 
sturm nicht gewappnet; in der Nacht des 10. August 1073 
verließ er die Burg und flüchtete südwärts durch die Urwälder 
des Harzes zum Kloster Hersfeld.
	        
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