Full text: Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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V. Theil. 
Statistik der Sterblichkeitsverhältnisse. 
I. Kapitel. 
Einleitung. — Construction der 
Tabellen XXV —XXXV. 
Während die früheren Betrachtungen über die Sterblich 
keit — vergl. Theil II — die Sterbefälle ohne Rücksicht 
auf die Lebenden, aus denen sie hervorgingen, zum Gegen 
stand hatten, soll sich die gegenwärtige Abhandlung fast aus 
schliesslich mit Sterblichkeitsverhältnissen, d. h. mit 
der Vergleichung der nach gewissen Merkmalen gruppirten 
Sterbefälle mit den entsprechenden Zahlen von Lebenden, aus 
welchen sie hervorgingen, befassen. Während jene Betrach 
tungen hauptsächlich die ärztliche Seite der Lebensversicherungs- 
Wissenschaft in’s Auge zu fassen und Thatsachen zu beleuchten 
hatten, welche für die ärztliche Beurtheilung der Risicen von 
besonderem Werthe sind, z. B. die Erblichkeit gewisser Krank 
heiten, den Einfluss gewisser Krankheitsanlagen u. s. w., so 
dienen die nachfolgenden vorzüglich den Zwecken des Ver 
sicherungstechnikers, und sollen sie Daten liefern, welche 
entweder an und für sich schon oder in Verbindung mit ander 
weitigen Ermittelungen für die rechnerische Fundirung des 
Lebensversicherungsgeschäftes, für die Berechnung von Prämien 
und Reserven, von Bedeutung, oder welche geeignet sind, über 
bisher schwebende Fragen der Technik neues Licht zu ver 
breiten. — 
Das Material, auf welches sich die nachfolgenden Tabellen 
und Untersuchungen stützen, kann im Verhältnis zu dem 
jenigen , welches bei früheren ähnlichen Untersuchungen zu 
Gebote stand, als ein ziemlich umfangreiches bezeichnet werden. 
Die Anzahl der Sterbefälle, mit welchen sich die nachfolgenden 
Betrachtungen zu beschäftigen haben, beträgt 21538;*) die 
Anzahl der Versicherten, aus welchen diese Sterbefälle hervor 
gingen, (die Zahl der Eingetretenen) 81 745, wovon 49916 
am Schlüsse der Beobachtung noch am Leben und 10291 
freiwillig ausgeschieden waren, und die Zahl der Jahre unter 
Risico, welche von den Versicherten durchlebt resp. (von den 
nachmals Verstorbenen) angetreten wurden, 1,021456. Den all 
gemein bekannten und in der Praxis vielbenutzten Sterblichkeits 
ermittelungen der 17 englischen Anstalten lagen dagegen im 
Ganzen nur 13781 Sterbefälle zu Grunde — oder richtiger gesagt 
»durch Tod erloschene Policen«, denn es wurde bei diesen Er 
mittelungen zum grössten Theile nach Policen und nicht nach 
Personen gerechnet, so dass Personen, welche mehrere Policen 
hatten, häufig für eben so viele Lebende bez. Sterbende ge 
zählt wurden —, denen 91 198 Eingetretene (abgeschl. Policen) 
gegenüberstanden, wovon 25247 hei Lebzeiten ausschieden 
*) Weiter unten wird der Grund erörtert, warum diese Zahl etwas 
geringer ist, als diejenige der im II. Theile oben betrachteten hterhetälle. 
und 44877 am Schlüsse der Beobachtung noch vorhanden 
waren. Bei der vor einigen Jahren von dem Institute of 
Actuaries veranlassten und geleiteten Ermittelung der Sterb- 
! lichkeit der 20 englischen Gesellschaften betrug die Zahl der 
Sterbefälle, soweit sie sich auf normale Risicen bezogen, 23856, 
die Zahl der Eingetretenen 146847, die Zahl der Ausgeschiedenen 
40531, die Zahl der am Schlüsse des Beobachtungstermins 
noch Vorhandenen 88329, und die Zahl der von Versicherten 
während des ganzen Beobachtungszeitraun#; durchlebten resp. 
angetretenen Jahre unter Risico 1,562649- Da. bei Beurthei 
lung des Umfanges eines aus Aufzeichnungen der hier in Rede 
stehenden Art hervorgegangenen Materials mit Rücksicht auf 
die technische Verwerthung desselben hauptsächlich die Anzahl 
der beobachteten Sterbefälle und erst in zweiter Linie die 
übrigen herangezogenen Zahlen in Betracht zu ziehen sind, 
und, da überdies die Erfahrungen der 20 englischen Gesellschaf 
ten als die umfangreichsten zu gelten haben, welche bis in die 
neueste Zeit über die Sterblichkeit versicherter Leben ver 
öffentlicht worden sind, so wird man ohne Weiteres behaupten 
dürfen, dass die nachfolgenden Beobachtungen hinsichtlich des 
Umfanges ihres Materiales alle bisherigen mit Ausnahme von 
denjenigen der 20 englischen Gesellschaften übertreffen, und dass 
sie, ebenso wie diese letzteren, in der hier fraglichen Beziehung 
die so berühmt gewordenen Beobachtungen der 17 englischen 
Gesellschaften weit hinter sich zurücklassen. Die numerische 
Ueberlegenheit des den nachfolgenden Betrachtungen zu Grunde 
liegenden Materials gewinnt übrigens noch besondere Bedeutung, 
wenn man nicht die Gesammtzahlen der Sterbefälle etc., sondern 
die specielle Besetzung der höheren Altersklassen 
und der höheren Versicherungsjahre in’s Auge fasst. Es betrug 
nämlich die Anzahl der Sterbefälle und der diesen gegenüber 
zu stellenden ,gebenden unter Risico“ für das 60. Lebensjahr 
und aufwärts 
bei den 17 engl. 1025 resp. 21485 
“jRiSy 948, » ,75 5,9 
bei Gotha 10617 » 177 346 
Ferner betrug die durchschnittliche Versicherungsdauer der 
beobachteten Leben bis zum Schlüsse des Erhebungstermines 
(nicht zu verwechseln mit der durchschnittlichen Versicherungs 
dauer überhaupt): 
bei den 17 engl, etwas weniger als 5V2 Jahre*) 
bei den 20 engl. 9> 12 » 
bei Gotha 
I 2,36 
Hinsichtlich der Besetzung der höheren Altersklassen sowohl, 
*) Diese Durchschnittsdauer wird gefunden, indem man die Zahl 
der Eingetretenen in die Zahl der um die Hälfte der Gestorbenen ver 
minderten Zahl der Jahre unter liisico di\idirt. 
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