Full text: Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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y. Theil. Statistik der Sterblichkeitsverhältnisse. 
Zahlen der Sterbefälle überall schon genügend grosse waren. 
Es bleibt also nichts Anderes übrig, als anzunehmen, dass wir 
es mit natürlichen Sterblichkeitsdifferenzen der beiden Beob 
achtungsgebiete zu thun haben, dass die Sterblichkeit überhaupt 
oder wenigstens die Sterblichkeit derjenigen Klassen, aus denen 
Versicherte hervorzugehen pflegen, in England in der That 
anders verläuft wie in Deutschland. Für die Richtigkeit der 
letzteren Annahme sprechen auch die allerdings nicht so sicheren 
Resultate der allgemeinen Sterblichkeits-Statistik, wie aus den 
nachstehenden Zahlen ersichtlich sein wird. 
Es beträgt der Sterblichkeitsprocentsatz Differenz 
Alter, für Sachsen (nach für England (nach zu Gunsten von Heym —, 
Heym, M. u. Fr.). Farr, M. u. Fr.), zu Gunsten von Farr +• 
20 
30 
40 
SO 
60 
70 
80 
90 
0,73 
0,38 
1,16 
1,79 
3,7« 
8,69 
I 8,60 
37,50 
0,84 
1,03 
1,29 
1,75 
3,07 
6,38 
13,55 
25,48 
*4" 
+ 
+ 
+ 
o,n 
0,15 
0,13 
0,04 
0,69 
2,31 
5,05 
-f- 12,02 
Ein ähnliches Resultat ergiebt sich auch bei der Ver 
gleichung der Farr’schen Zahlen mit anderen deutschen Sterb 
lichkeits-Tabellen, welche der allgemeinen Statistik entnommen 
sind, z. B. mit der neuen für Preussen (vergl. Tabelle 1 des 
folgenden Kapitels), nur dass hier — wegen der vielfach höheren 
Sterblichkeitsprocentsätze der letzteren in den jüngeren und 
mittleren Altersklassen — die Differenzen zu Gunsten der 
deutschen Beobachtungen sich auf eine geringere Zahl von 
Altersklassen beschränken. 
Die Sterblichkeitsprocente der hannoverschen Anstalt (Witt 
stein, Mathematische Statistik) basiren auf so geringen Zahlen, 
dass wir dieselben nur beigezogen haben, weil sie die einzigen 
sind, welche von einer anderen deutschen Anstalt vorliegen. 
Die sehr hohe Sterblichkeit der hannoverschen Tabelle für die 
Alter unter 45 wird sich vielleicht auf das frühere Prämien 
system dieser Anstalt (steigende Prämien) zurückführen lassen, 
welches weniger als das System der gleichmäsigen Prämien 
geeignet sein wird, die gesunden Leben dauernd an die Anstalt 
zu fesseln. Dagegen fehlt für die auffallend geringe Sterblich 
keit in den höheren Altersklassen, welche theilweise selbst 
unter die der englischen Gesellschaften hinabsinkt, die Erklärung, 
wenn man nicht annehmen will, dass die Sterblichkeitsver 
hältnisse der Geschäftsgebiete der Gothaer und der Hannover 
schen Anstalt — das Geschäftsgebiet der letzteren hat sich in 
früheren Jahren hauptsächlich auf Hannover beschränkt, — 
wirklich so auffallend differiren. 
Die nachstehende Tabelle zeigt die Mortalität oder richtiger 
die Vitalität der bei Gotha Versicherten und einiger anderer 
Personen - Complexe unter Zugrundelegung eines neuen Maas 
stabes, nämlich der mittleren Lebensdauer. Die Zahlen für 
Gotha sind der Tabelle XXXIV entnommen, die Zahlen der 
Compagnie Générale der Insurance Cyclopaedia von Walford 
(Vol 4).*) 
Tabelle 3. 
Mittlere Lebensdauer. 
Alter 
Gotha 
(Männer u. 
Frauen) 
Babbage 
Gotha 
17 engl. 
Gesellsch. 
20 engl. 
Gesellsch. 
(unausgegl.) 
Compagnie 
Générale 
(unausgegl.); 
Sachsen 
(Heym) 
20 
25 
30 
35 
40 
45 
50 
55 
60 
65 
70 
75 
80 
85 
42,22 
38,64 
34,69 
3 0 *80 
26.94 
23,13 
19,51 
16,09 
12.95 
10,15 
7,83 
5,88 
4,20 
2,99 
40.7 
37.0 
33.5 
30.0 
26.6 
23,3 
19,9 
16.8 
13.8 
10.8 
8.0 
5.4 
3.4 
2.1 
44,49 
37,98 
34.43 
30,87 
27,28 
23-69 
20.18 
l6,86 
43,77 
10,97 
8,54 
6,48 
4,78 
3,3« 
44.98 
38,44 
34,7 5 
34,15 
27,57 
23.98 
20,51 
17,14 
13.99 
I 1,17 
8,68 
6,56 
4.93 
3,58 
44,87 
38,52 
34,49 
30.75 
26.95 
23,18 
19.75 
16,33 
12.95 
10,31 
8,07 
6,55 
5.60 
3,19 
39-31 
35,70 
32.09 
28,54 
25,00 
21,47 
4 8,03 
14.74 
I 4,74 
9,08 
6,88 
5.19 
3-91 
2,75 
Heber den Werth einer Vergleichung nach der mittleren 
Lebensdauer sind die Meinungen getheilt. Einige Statistiker 
und Techniker befürworten sie, weil nach ihrer Ansicht der 
: allgemeine Character einer Beobachtung in der mittleren Lebens 
dauer den einfachsten und deutlichsten Ausdruck findet, andere 
dagegen verwerfen sie gänzlich (darunter Fischer in seinen 
»Grundzügen des auf menschliche Sterblichkeit gegründeten 
Versicherungswesens«, Oppenheim i860), weil die mittlere 
Lebensdauer die besonderen Eigentümlichkeiten der Sterblicb- 
! keitscurve nur unvollkommen wiedergiebt. Man wird zuge- 
\ stehen müssen, dass die mittlere Lebensdauer in der Thal nur 
einen ungeeigneten Maasstab für die Beurteilung der Vitalität 
abgiebt, dass dieselbe aber zu der populärsten Form einer 
Sterblichkeitstafel führt, daher immerhin eine gewisse Berück 
sichtigung verdient, und in einem Werke wie dem vorliegenden 
nicht ganz ausser Betracht gelassen werden darf. — Was die 
Resultate der obigen Uebersicht an betrifft, so ergeben dieselben, 
soweit sie sich auf Thatsachen beziehen, welche bereits in den 
früheren Tafeln berücksichtigt waren, im Allgemeinen das 
nämliche Bild, wie es bereits dort vor Augen trat. Die Zahlen 
der Gothaer Bank sind auch hier für alle Alter günstiger, als 
nach der Sächsischen Tafel, und ebenso zeigen sie gegenüber 
den englischen Zahlen anfänglich einen günstigeren, später 
einen ungünstigeren Verlauf. Die Kreuzungspunkte der eng 
lischen und der Gothaer Erfahrungen sind aber hier nicht 
unwesentlich zu Ungunsten der letzteren verschoben. Während 
sie früher in den Altersklassen 51 bis 55 und 56 bis 60 lagen, 
fallen sie hier auf die Altersklassen unter 30 und unter 35 
(resp. für die Bankliste unter 45). Die genaueren Kreuzungs 
punkte sind für die siebzehn englischen Gesellschaften das Alter 
zwischen 34 und 35, für die zwanzig englischen Gesellschaften 
das Alter 29 und für die Bankliste resp. 42 und 76 bis 77, 
indem von dem letzteren Alter ab die Lebensdauer für Gotha 
wiederum günstiger wird. Die Erfahrungen der Compagnie 
Générale zeigen für gewisse Alter eine grosse Uebereinstimmung 
mit Gotha; im Allgemeinen weisen sie auf eine Sterblichkeit 
hin, welche zwischen derjenigen der zwanzig englischen Gesell 
schaften und Gotha liegt. 
*) Die Erfahrungen der Compagnie Générale, welche sich auf die 
Jahre 1837—72 beziehen und insofern ein besonderes Interesse bean 
spruchen dürfen, als sie die einzigen sind, welche über versicherte Lehen 
in Frankreich existiren, sind in den früheren Tafeln lediglich deshalb 
nicht berücksichtigt worden, weil die Form, in welcher sie in dem 
Walford’sehen Werk erscheinen, dies nicht znliess.
	        
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