Full text : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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V.  Theil.  Statistik  der  Sterblichkeitsverhältnisse.

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und  England  überwiegt  bei  der  mittleren  Lebensdauer  der
Einfluss  der  späteren  Alter  so  sehr,  dass  selbst  nicht  für  das
jüngste  hier  aufgenommene  Alter  eine  Differenz  zu  Gunsten
der  Männer  bemerklich  ist  (genau  genommen  ist  die  letzte
bez.  Differenz  für  Brune  beim  Alter  24,  für  Preussen  und
England  dagegen  überwiegt  die  mittlere  Lebensdauer  d  r  Frauen
durchgängig  die  der  Männer).
Was  die  finanzielle  Bedeutung  des  abweichenden  Verlaufs
der  Frauensterblichkeit  anbetrifft,  so  ist  dieselbe  keineswegs  so
gross,  als  die  Tabellen  1  und  2  anzudeuten  scheinen,  andererseits ­
  aber  auch  nicht  so  gering,  als  man  nach  der  Tabelle  3
an  nehmen  könnte.  Nach  den  ausgeglichenen  Tabellen  der
20  englischen  Gesellschaften  stellen  sich  die  jährlichen  Prämien
einer  einfachen  lebenslänglichen  Versicherung  unter  der  Annahme ­
  eines  dreiprocentigen  Zinsfusses  bis  zum  36.  Lebensjahre ­
  inch  durchgängig  höher  für  die  Frauen  als  für  die  Männer,
während  bei  einer  fünfprocentigen  Verzinsung  der  Kreuzungspunkt ­
  der  beiden  Prämienscalen  um  1  Jahr  hinaufrückt.  Nach
den  Tabellen  der  20  englischen  Gesellschaften  brachten  also
alle  diejenigen  Frauen,  welche  vor  dem  37.  resp.  38.  Lebensjahre ­
  beitraten,  den  bezüglichen  Anstalten  Verlust,  dagegen
alle  diejenigen,  welche  später  beitraten,  Gewinn.  Hierbei  ist
indessen  noch  nicht  in  Betracht  gezogen,  dass  die  anfänglich
höhere  und  später  niedrigere  Sterblichkeit  der  Frauen  streng
genommen  auch  eine  andere  und  zwar  schwächere  Reservenansammlung ­
  bedingt  und  dass  deshalb  bei  gleicher  Bemessung
der  Abgangsentschädigung  beider  Geschlechter  der  frühzeitige
Abgang  von  versicherten  Frauen  eine  zweite  Quelle  des  Verlustes ­
  bildet.
Für  Gotha  kann  man  einen  Vergleich  der  obigen  Art
einfach  auf  dem  folgenden  Wege  erhalten.  Die  mittlere
Lebensdauer  ist  bekanntlich  nichts  Anderes,  als  der  Werth  einer
vorschüssigen  Leibrente  von  1  (Mise)  ohne  Anrechnung  von
Zinsen,  der  Kreuzungspunkt  der  Mise  einer  Sterblichkeitstafel
mit  der  Mise  einer  andern,  ist  aber  gleichzeitig  der  Kreuzungspunkt ­
  der  resp.  Prämienscalen.  Nach  den  Tabellen  der
20  englischen  Gesellschaften  kreuzen  sich  die  mittlere  Lebensdauer ­
  der  Männer  und  Frauen,  also  auch  die  ohne  Anrechnung
von  Zinsen  entstehenden  Prämienscalen  der  beiden  Geschlechter
zwischen  den  Altern  31  und  32,  die  zu  3  resp.  3%  berechneten
Prämienscalen  kreuzen  sich  dagegen  zwischen  den  Altern  35
und  36  resp.  36  und  37,  also  um  4  resp.  5  Jahre  später.
Nimmt  man  nun  an,  —  und  es  wird  dies  annähernd  zutreffen,  —
dass  die  bez.  Kreuzungspunkte  bei  Gotha  bei  Berechnung  verschiedener ­
  Zinsen  resp.  ohne  Anrechnung  von  Zinsen  genau
so  weit  auseinanderrücken  werden,  als  bei  den  20  englischen
Gesellschaften,  so  hat  man  nur  nöthig,  die  Differenz  von  4
resp.  5  Jahren  zu  dem  Kreuzungspunkt  der  mittleren  Lebensdauer ­
  von  Gotha  hinzuzulegen,  um  den  resp.  Kreuzungspunkt  zu
erhalten,  welchen  die  nach  Gotha  zu  resp.  3  und  5%  berechneten ­
  Prämien  der  beiden  Geschlechter  aufweisen  würden,
und  es  ergiebt  sich  hiernach  als  dasjenige  Alter,  in  welchem
die  Prämie  der  Männer  bei  Gotha  zum  letzten  Male  die  der
Frauen  übersteigt,  bei  dreiprocentiger  Verzinsung  das  39.  Lebensjahr ­
  und  bei  fünfprocentiger  Verzinsung  das  40.  Lebensjahr.
Sieht  man  von  den  Verlusten  ab,  welche  der  Bank  durch  den
frühzeitigen  Abgang  bei  Lebzeiten  von  Frauenversicherungen
erwachsen  sein  kann,  so  hatte  die  Bank  also  ihren  bisherigen
Gesammterfahrungen  nach  überhaupt  Verlust  bei  denjenigen
versicherten  Frauen,  welche  vor  dem  40.  (resp.  41.)  Lebensjahre ­
  beitraten,  dagegen  Gewinn  bei  denjenigen,  welche  später
Aufnahme  fanden.  Mit  Rücksicht  darauf,  dass  die  Frauen  bei
Gotha  durchschnittlich  in  einem  höheren  Alter  beigetreten  sind
(siehe  Theil  I,  Kapitel  IV),  ist  es  hiernach  wohl  möglich,

dass  das  finanzielle  Gesammtergebniss  der  Frauensterblichkeit
für  die  Bank  kein  ungünstiges  gewesen  ist,  ja  vielleicht  einen,
allerdings  dann  nur  mäsigen,  Gewinn  gebracht  hat.

V.  Kapitel.
Die  Sterblichkeit  der  Männer  und  Frauen
nach  Geschäftsperioden.
Zu  einer  Untersuchung  der  Sterblichkeit  für  verschiedene
Geschäftsperioden  der  Bank  lag  insofern  genügendes  Material
vor,  als  man  schon  zu  einer  früheren  Zeit  die  Sterblichkeit
der  Bank  nach  5jährigen  Altersklassen  ermittelt  hatte,  nämlich
für  die  Geschäftsperiode  von  1829  —  59>  und  die  auf  die
folgende  bis  1878  laufende  Geschäftsperiode  bezüglichen  Resultate ­
  offenbar  durch  einfachen  Abzug  der  bei  jener  Ermittelung ­
  festgestellten  Zahlen  der  Lebenden  unter  Risico  und  der
Sterbefälle  von  den  gegenwärtig  eruirten  auf  die  gesammte
Geschäftsperiode  von  1829  —  78  sich  beziehenden  Lebenden  etc.
erlangt  werden  konnte.  *)  Bevor  jedoch  jene  einfache  Operation
wirklich  durchgeführt  wurde,  war  es  zuerst  nöthig,  die  »Lebenden
unter  Risico«  der  einen  oder  der  anderen  jener  Geschäftsperioden ­
  einer  kleinen  Abänderung  zu  unterziehen,  da  dieselben,
—-  wie  schon  in  der  Einleitung  besprochen  worden  —  nicht
genau  nach  denselben  Principien  bestimmt  waren,  und  ein
directer  Abzug  zu,  allerdings  nicht  bedeutenden,  Fehlern  Anlass
gegeben  haben  würde.  Während  nämlich  in  jener  früheren  Ermittelung ­
  diejenigen  Versiehe;  ten,  deren  Policen  stornirt  wurden,
gar  nicht  in  Berücksichtigung  gezogen,  die  übrigen  Abgegangenen
aber  so  behandelt  worden  waren,  als  wenn  sie  auch  im  Abgangsjahr ­
  ein  volles  Jahr  unter  Risico  gestanden  hätten,  so  ist
bei  der  vorliegenden  Ermittelung  —  aus  Gründen,  welche
ebenfalls  in  der  Einleitung  eingehender  auseinandergesetzt
worden  sind  —  nicht  blos  der  letztgenannte,  sondern  der  gesammte ­
  Abgang  berücksichtigt,  dieser  Abgang  aber  für  das
Abgangsjahr  —  denn  um  dieses  handelt  es  sich  hier  nur  —
nicht  mit  einem  vollen,  sondern  nur  mit  einem  halben  Jahre
in  die  Zahl  der  Lebenden  unter  Risico  eingestellt  worden.  Um
die  Resultate  der  gegenwärtigen  Ermittelung  den  früher  gewonnenen ­
  anzupassen  —  denn  das  umgekehrte  Verfahren  war
wegen  Mangel  an  den  nöthigen  Daten  nicht  möglich  —  blieb
also  nichts  Anderes  übrig,  als  zunächst  den  »Abgang  wegen
Stornirung  der  Policen  «  aus  den  »  Lebenden  unter  Risico«
gänzlich  auszuscheiden  und  alsdann  die  Hälfte  des  übrigen
Abgangs  bei  diesen  Zahlen  wieder  in  Zugang  zu  bringen.
Die  nachfolgenden  Tabellen  geben  die  hiernach  erlangten
Resultate,  die  erste  Abtheilung  ;  1829  —  78  umfasst  die  »corrigirten«
  Zahlen  der  gegenwärtigen  Ermittelung,  die  zweite  Abtheilung: ­
  1829  —  59  die  direct  gegebenen  der  früheren  Ermittelung, ­
  während  die  dritte  Abtheilung:  1859  —  78  in  der
Col.  »Lebende  unter  Risico«  und  »Gestorbene«  die  Differenzen
zwischen  den  Zahlen  der  beiden  ersten  Abtheilungen  enthält.

*)  Die  bis  1859  reichende  Ermittelung  schloss,  wie  schon  früher
angedeutet  worden  ist,  wie  aber,  um  Irrthümern  vorzubeugen,  hier  nochmals ­
  hervorgehoben  werden  mag,  ebenso  wie  die  gegenwärtige  mit  den
im  Schlussjahre  ablaufenden  Prämienterminen  ab.  —  Die  in  dem  vorigen
Kapitel  erwähnte  Ermittelung  von  1852  ist  nicht  in  Betracht  gezogen
worden,  weil  dieselbe  bei  einem  geringeren  Umfange  des  Beobachtungsmaterials ­
  dem  Abschlusszeitpunkte  der  Ermittelung  von  1859  zu  nahe
liegt,  als  dass  man  von  der  Bildung  einer  weiteren  (also  nur  von  1852-59
reichenden)  Geschäftsperiode  besonders  werthvolle  Resultate  sich  versprechen ­
  durfte.
            
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