Full text : Das Finanzsystem des deutschen Reiches in politischer und wirtschaftlicher Beziehung

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Slrtifel  70.
3ur  Seftreitung  aller  gememfd)aftlidE)en  Ausgaben  bienen  junäd^it  bte  aus  ben
3öllen  unb  gemeiniamen  Steuern,  aus  bem  ©tfenba^w,  S'#  unb  ïelegrapljenwefen,
fowte  aus  ben  übrigen  Serwaltungsgwetgen  fliefeenben  gemetnfdfjaftlicf)en  (Einnahmen.
3nfowett  bte  Ausgaben  burcf)  btefe  (Einnahmen  ni<i)t  gebedt  werben,  ftnb  fte  burd)
Setträge  ber  einzelnen  Sunbesftaaten  nad)  ÜJla&gabe  tljrer  Seoölterung  au^ubrtngen
weld&e  in  §ö^e  bes  bubgetmäfeigen  Setrags  burd)  ben  Setd^stangler  ausgefdjrieben  werben.
  3nfoweit  btefe  Seiträge  in  ben  Überweisungen  feine  2)edung  finben,  ftnb  fie  ben
Sunbesftaaten  am  3<4)resfd)luf3  in  bem  Slafje  gu  erstatten,  als  bte  übrigen  orbentlüijen
(Einnahmen  bes  SRetdjs  beffen  Sebarf  überfteigen.
(Etwaige  Überfdfjüffe  aus  ben  Sorjaljren  bienen,  infoweit  burd)  bas  ©efet}  über
ben  5Reicf)sl)ausI)altsetat  nid)t  ein  anberes  beftimmt  wirb,  ¡jur  Dedung  gemeinfdtjaftlidjer
auf3erorbentlid)er  Ausgaben.
§3.
Diefes  ©efet}  tritt  mit  SBirfung  oom  1.  2lpril  1904  in  Araft.
UrfunblidE)  ufw.
(Es  Ijatte  ficij,  tote  ber  Sergleid)  bes  ©efetjes  mit  bem  (Entwurf
  ergibt,  ber  ¿Reid)stag  alfo  nicljt  mit  ber  Sefdjräntung  ber
granctenfteinfdjen  ftlaufel  auf  bie  Sranntweinoerbraucfysabgabe  befliehen,
  fonbern  er  ijatte  aud)  bie  Sranntweinmateriab  unb  ¿IRaifd^
bottid)fteuer  tjineinbegogen,  weil  it)m  ber  Soften  oon  SR.  100000000
3U  tlein  erf^ien,  als  Urfadje  für  gegenüberfteljenbe  SRatritular*
beitrage  in  gleicher  £ölje.  ¿Man  wünfdjte  minbeftens  200  ¿Mil=Iionen
  ¿Mart  ¿Matritularbeiträge  als  beweglichen  gattor  gu  bemalten.
Sebentlid)  an  bem  ©efetj  toar  bie  ¿Aufhebung  bes  Sdjulben*
tilgungsgefetjes  oon  1903,  meines  —  eine  ©elegen^eitsma^regel
—  ben  3mec!  oerfolgte,  bie  fogenannten  3ufd)uf}anleil)en  gu  befeitigen,
  unb  in  biefer  ¿Ridjtung  aud^  tatfödjlidj  günftig  gewirtt  i>at.
(Es  mufften  in  biefem  galt  alfo  bie  3 n to e ff en  bes  5Keici)s
ifinter  bie  ber  Sunbesftaaten  gurücttreten.
3m  übrigen  ftellte  fid)  bie  lex  Stengel  als  eine  [et)r  prooiforifdje
  ¿Maßregel  heraus,  inbem  toeber  bie  ¿Regelung  ber  ¿Matrb
tularbeiträge,  nodj  bie  nidjt  obligatorifdje,  auf  3ufallsergebniffe
angetoiefene  Sdjulbentilgung  auf  bie  Dauer  befriebigen  tonnten.
Das  3a^r  1904  forberte  bod)  toieber  oon  ben  (Eingelftaaten
40 3 / 4  ¿Millionen  ungebeefte  ¿Matritularbeiträge,  unb  1905  gar
79  ¿Millionen  (bie  allerbings,  toie  fd)on  erwähnt,  gum  Deil  gurüdtgejault
  werben).
Um  gu  geigen,  wie  fid)  biefe  ¿Matritularbeiträge  auf  bie  (Eingelftaaten
  oerteilen,  unb  wie  feljr  fie  in  beren  Subgets  ftörenb
            
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