192
8. Kapitel
tionalvermögen kann also durch den deutschen Zoll um
Hunderte von Millionen geschädigt werden, eine unleugbare
Tatsache, aus der manche den voreiligen Schluß
gezogen haben, daß eben das Ñusland den Zoll bezahle.
Das wäre auch richtig, wenn Deutschland die
Millionen, die Rußland verliert, bekäme. Das ist
aber nicht der Fall, wir haben wohl durch den Zoll
die Kraft, Rußland zu schädigen, es um viele Millionen
ärmer zu machen, aber nicht die Kraft, diese
werte in unser Wirtschaftsgebiet überzuführen. Sie
werden nutzlos vernichtet, wenn man von „bezahlen"
redet, so muß es einen Zahler und einen Empfänger
geben- hier fehlt aber der zweite, denn wir empfangen
nichts.
Dadurch, daß wir das russische Getreide ausschließen,
wird das Korn bei uns um nichts billiger,
im Gegenteil! Der Ausfall muß anderweitig gedeckt
werden und wird im Weltmarktpreis in einer Erhöhung
zum Ausdruck kommen.
Also im Schutzzoll liegt eine Waffe, und so überflüssig
diese im kampfleeren Raum ist, so unvermeidlich
ist sie dort, wo nur die Macht den Ausschlag gibt,
also in den internationalen Reziehungen.
Der Schutzzoll stellt den internationalen Warenaustausch,
anstatt unter die natürlichen wirtschaftlichen
Gesetze, unter die der Selbstsucht, und da hat jede
Nation, so sehr sie auch aus Prinzip die natürliche
Entwickelung vorziehen mag, die Verpflichtung, der
fremden Selbstsucht die eigene entgegenzusetzen.
Allerdings ist hier wohl zu überlegen, ob die Selbstsucht
nicht etwa auf Selbsttäuschung beruht, ob die
Waffe, die man führt, nicht ebensowohl ins eigene
Fleisch, als in das fremde, schneidet. Aber es kann