confisciert werden, das erstere dagegen erhalten bleiben oder
durch Anweisung auf Verzehrungsgüter ersetzt werden.
Und wenn alle Art Feudalprivilegien schliesslich ohne Entschädigung
aufgehoben worden sind, dank der Feindseligkeit
der Aristokraten gegen die neue Ordnung und
den Notwendigkeiten des öffentlichen Wohles, warum
sollte dann nicht jede Art von Capital aus ähnlichen Gründen
ein ähnliches Geschick erleiden, indem man die Anweisung
auf Verzehrsgüter nicht bezahlt?“*)
Kein Mensch kann in der That sagen, ob der Widerstand
der besitzenden Classen nicht eines Tages dieselben
Folgen haben wird, wie die am Ende des XVIII. Jahrhunderts,
ob die lange sorgfältig erwogenen Pläne friedlicher
und gradweiser Expropriation nicht dasselbe Geschick
erleiden werden, wie ähnliche Projecte, die Turgot
und Condorcet vor der französischen Revolution ausgearbeitet
hatten.
Damit aber die Confiscation des capitalistischen Eigentums,
die Expropriation ohne Entschädigung überhaupt
begreiflich erscheinen kann — wir sehen von der Frage
ab, ob sie legitim sein würde —, muss man in der
Hypothese notwendigerweise die gleichzeitige
Unterdrückung aller Rententitel, des Grundeigentums und
capitalistischen Eigentums annehmen.
Denn wie Kropotkin mit Recht feststellt, existieren in
unserer Gesellschaft Beziehungen, die man thatsächlich
unmöglich abändern kann, wenn man nur einen Teil davon
angreift.
„Nehmen wir einmal an,“ so sagt er, „in einer bestimmten
Gegend würde eine begrenzte Expropriation vorgenommen
: man beschränkte sich z. B. auf die Enteignung
der grossen Grundherren, ohne die Fabriken
anzurühren, wie Henry George fordert; in irgend einer
*) Lichtenberger: Le socialisme et la révolution française
(Paris, Alcan 1899), pag. 234 ff.