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Trotz der Abnahme bei den ländlichen Arbeitern,
bei den Tagelöhnern, die von den Gressstädten aufgesogen
werden, wächst die relative Bedeutung des Proletariats
beständig.
Bedeutet das, dass alle selbständigen Unternehmer
mit Naturnotwendigkeit und unwiderstehlich dazu ver
urteilt sind, sich in einer mehr oder weniger nahen Zu
kunft in Lohnarbeiter zu verwandeln und eine der Leidens
stationen des Capitalismos nach der anderen zu durch
schreiten? Das ist nicht unsere Ansicht.
Wir haben schon an einem anderen Orte gesagt,
dass man verschiedene Entwickelungsgänge nachweisen
kann, dass das persönliche Eigentum sich in genossen
schaftliches oder sociales verwandeln kann, ohne not
wendigerweise durch die capitalistische Phase hindurch
gegangen zu sein.*)
Anderenteils erscheint auch klar erwiesen, dass, wenn
in einer grossen Anzahl von Berufszweigen das persön
liche Eigentum die Tendenz zeigt zu verschwinden, die
höheren Formen der capitalistischen Production — trotz
der Vorteile, die sie vom Gesichtspunct einer rationellen
Wirtschaft darbieten, — keineswegs im stände sind, die
niederen, starren, elenden Formen der Hausindustrie, der
Parcellencultur und des Kleinhandels zu vernichten.
Es scheint, dass die durch den Capitalismos erzeugten
Schäden: der Parasitismus der Zwischenhändler, die Ver
schwendung in den Luxusgewerben, die Schändlichkeiten
des sweating-Systems, die Zerschlagung der Landparcellen
mit ihren „Besitzern mit 15 oder 25 Centimes Rente“
so lange dauern sollen, wie das capitalistische System
selbst.
*) In dem von Destrée und mir dem Congress von
Warenne unterbreiteten Bericht über das ländliche Kleineigen
tum. Siehe: Le Socialisme en Belgique, (Paris, Giard et Brière,
1898) pag. 359 ff.
Vandervelde: Die Entwickelung zum Socialismus.
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