466 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
großen Königreiches der Niederlande in Aussicht genommen, das
Holland und Belgien zugleich umfassen sollte als eine würdige
Basis englischen Einflusses auf dem Kontinent.
Frankreich erkannte diese Bedingungen und in ihnen die
Unabhängigkeit des neuen Königreiches der Niederlande wie
aller neu gebildeten und zu bildenden deutschen und italienischen
Staaten an.
Es war ein Abschluß, der die Pazifikation des euro—
päischen Westens bedeutete: für Deutschland, für die Rhein—
lande und den Süden, für Preußen insbesondere waren da—
gegen so gut wie alle wichtigen Fragen offen gelassen. So
begreift es sich, daß, als der Zar und der Preußenkönig nach
London gingen, sie überall mit hellem Jubel empfangen wurden.
Und dieser Jubel erstreckte sich auch auf die Helden des Be—
freiungszuges: Metternich war der Löwe der Salons und der
schönen Frauen, Blücher der der Straße, des Volkes.
Aber auch in Deutschland herrschte herzliche Freude, heller
Jubel und trotz steigender Bedenken und Bangigkeiten zunächst
doch noch ein unbedingtes Vertrauen in eine herrliche Zu—
kunft — außerhalb des kleinen Kreises der diplomatisch Ein—
zgeweihten. Da kniete Schenkendorf wohl anbetend nieder:
Wie mir deine Freuden winken
Nach der Knechtschaft, nach dem Streit!
Vaterland, ich muß versinken
Hier in deiner Herrlichkeit!
Und schon erhellte sich ihn und mit ihm Tausenden von
Patrioten das Ideal, das er um ein Jahr später besang:
Der Nibelungen Hort
Ersteht und glänzet neu!
Es find die alten deutschen Ehren,
Die wieder ihren Schein bewähren:
Der Väter Zucht und Mut und Ruhm,
Das heil'ge deutsche Kaisertum!
Denn in dem Gedanken des Kaisertums vor allem fand sich
doch zusammen, was enthusiastisch einer reichen Zukunft der
Nation entgegensah.