sein, deren Collectivluxus die Eitelkeit und Knauserei'
des privaten Luxus überstrahlen würde. Und die end
lich, die mit amtlichen Sphären nichts zu thun haben
wollen und sich lieber direct an das Publicum wenden,
könnten dann von dem Ertrag ihres Pinsels oder ihrer
Feder viel leichter und besser leben, weil sie ein viel
grösseres, reiferes und verständigeres Publicum hätten
als jetzt.
Ganz thöricht wäre der Einwand, die Menge werde
ein schlechter Richter sein und die glänzende, ins Auge
fallende Mittelmässigkeit der schlichten Grösse des ur
sprünglichen Talents vorziehen. Lehrt die Erfahrung nicht,
dass der hartnäckigste Widerstand gegen die neuen Kunst
formen nicht von der Masse, sondern im Gegenteil von
den privilegierten Gasten ausgeht ? Als Walter Stolzing
von den Meistersingern zurückgewiesen wird, wendet er
sich an die guten Nürnberger. Nicht im Hôtel Ram
bouillet, sondern bei der Masse siegte Corneille mit seinem
Polyeucte. Die wirklich grossen Schöpfungen, die eines
ganzen Volkes Seele widerspiegeln, wurden stets zuerst
von dem Volk selbst oder mindestens doch von dem
Bruchteil des Volkes verstanden, der noch nicht ganz
von der Macht der Finsternis unterjocht war.
Und um so mehr wird das der Fall sein, wenn alle
die Einheiten, aus denen sich die Massenpsyche zusammen
setzt, bewusste Einheiten sein werden, wenn alle mensch
lichen Glieder der menschlichen Familie, anstatt wie jetzt
gegen einander zu stehen, auf einer viel breiteren Basis
jenes Gefühl moralischer Zusammengehörigkeit, jene
fruchtbare Solidarität wieder zurückerobern werden, die
einst in den antiken Stadtstaaten und in der mittelalter
lichen Stadtgemeinde herrschten. Und wie jene beiden
grossen Epochen, die im ewigen Weben und Werden
der Geschichte ruhmvoll bis in unsre Tage leuchten, so
wird auch der Socialismus sein Werk mit einer neuen
Aesthetik krönen.