Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Weitere musikalische und literarische Übergänge. 387 
von dem jungen Subjektivismus wissenschaftlich, philosophisch 
ind dichterisch entdeckt zu werden. 
Überaus merkwürdig aber sind die Vorgänge, in denen sich 
—— 
hruch des Gemütslebens zu vollziehen begann. 
Suchen wir hier zunächst den allgemeinen Eindruck des 
17. Jahrhunderts festzustellen, so ist kein Zweifel: in den bil— 
denden Künsten wie in der Dichtung herrschte zum großen Teile 
der Verstand, und auch die Musik zeigte wenigstens in der 
zweiten Hälfte des Jahrhunderts in der Durchbildung der Aus— 
drucksmittel als der Symbole des Gemütslebens keine be— 
achtenswerten Ergebnisse. Nur in der Malerei, und hier 
wieder nur in den Niederlanden, hätte man von aufkeimenden 
Strebungen des Gemütes sprechen können, falls man sie in 
jener Entwicklung hätte finden wollen, die von den van Eycks 
bis auf Rubens und Rembrandt, von der vollen Bewältigung 
des Umrisses bis zur Wiedergabe künstlich geführten Lichtes 
fortschritt. Denn mindestens waren in den außerordentlichen Er⸗ 
rungenschaften, die hier in der Vollendung der vlämischen und 
holländischen Schulen zutage traten, Mittel gegeben, um neue 
Gefühlswerte auszulösen und zu betonen. Aber sind diese Mittel 
—E— 
tiefgemütvoll-pathetischen Malerei, verwendet worden? Die Ant— 
wort erteilt hier die Geschichte derjenigen unter den bildenden 
Künsten, die die andern um den Schluß des 17. Jahrhunderts 
und in den nächsten Jahrzehnten des folgenden Jahrhunderts immer 
ausschließlicher zu beherrschen begann, die Architektur. Bedeutete 
nun aber die Herrschaft der Architektur nicht schon an sich den 
Triumph der verstandesmäßigsten, am meisten mit Nützlichkeitsrück— 
sichten und technischen Voraussetzungen verknüpften aller Künste? 
Freilich schienen zu der Zeit, da die Architektur so siegend her— 
vortrat, die Raumbedürfnisse großenteils künstlerischer Art und 
Statik und Mechanik soweit entwickelt, daß sie der Phantasie 
weiten Spielraum ließen: aber immer handelte es sich doch um 
einen praktischen und intellektualistischen Zug der Entwicklung; 
und speziell wird man auch der Phantasieseite der Architektur 
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