Full text: Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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Augsburg noch eine einschneidende Aenderung ihrer Ver 
fassung. Schon längst war den Patriziern das „Zunftregiment“ 
ein Dorn im Auge. Voll Spott äusserten sich diese Aristokraten 
über die Unfähigkeit der Zünfte, die Stadt zu regieren. Be 
sonders über den Emporkömmling Herbrot, der seit Wolfgang 
Rehlingers Weggang die erste Rolle spielte, sprachen sie sich 
in abfälliger Weise aus. Paumgartner, einer der ärgsten Hetzer, 
machte seinen ganzen Einfluss geltend, um den Kaiser für den 
Sturz des „plebeischen Regiments“ zu gewinnen. Karl V., 
der in einer Verfassungsänderung zugunsten des Patriziats ein 
weiteres Mittel sah, die unbotmässigen Städte zu ihrer Pflicht 
zurückzuführen, ging auf den Plan ein. Nach zweihundert 
jährigem Bestand wurde die Zunftverfassung, unter der Augs 
burg seine Blütezeit erlebt hatte, gestürzt und ein patrizisches 
Stadtregiment eingesetzt (3. August 1548). Hans Paum 
gartner war unter denen, die in den „geheimen Rat" ge 
wählt wurden 1 ). 
So war schliesslich doch noch die Sache zum Sieg gelangt, 
für die Hans Paumgartner ein Jahrzehnt seines Lebens gewirkt 
hatte. Als er kurz darauf starb, konnte er das Bewusstsein 
mit ins Grab nehmen, an seinem Teil zu den Erfolgen des 
Kaisers beigetragen zu haben. Aber dieser Sieg war errungen 
auf Kosten der Demütigung seiner Vaterstadt, der Stadt, die 
ihm und seinen Eltern fast 70 Jahre lang Heimatrecht gewährt 
und Gelegenheit gegeben hatte, seine Reichtümer zu sammeln. 
Aber je höher er stieg, desto breiter wurde die Kluft, die ihn 
von den Anschauungen seiner Mitbürger trennte, bis er sich 
schliesslich durch seine Politik in vollen Gegensatz zu ihnen 
stellte. Dafür stieg sein Ansehen beim Kaiser und seinen Mi 
nistern immer höher. Er war zuletzt einer der einflussreichsten 
und vertrautesten Räte Karls V. geworden, dessen Politik er, 
wie wir gesehen, eifrigst förderte. 
Wir haben nun Hans Paumgartners Tätigkeit auf den ver 
schiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens verfolgt und 
einen Aufstieg zu den höchsten Ehren mitangesehen, wie er in 
gleichem Masse damals nur den Fuggern geglückt war. Bevor 
*) Vgl. dazu den Aufsatz von Paul Hecker: Der Augsburger 
Bürgermeister Jacob Herbrot und der Sturz des zünftischen Regiments 
in Augsburg (in: Zeitschr. d. Hist. Ver. f. Schw. u. Nbg. I S. 34 ff.) und 
die Darstellung bei Roth IV S. 178 ff.
	        
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