Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Wehrverfassung,  Sklaverei.

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Über  die  Landwirtschaft  I,  18).  Es  erscheint  unter  solchen  Umständen ­
  für  die  Herren  am  rentabelsten,  wenn  sie  die  Sklaven  auf
ihren  Gütern  verteilten  und  in  teilweiser  Selbständigkeit  wirtschaften
ließen.  Die  rechtlichen  Bestimmungen  zu  Ansang  der  Kaiserzeit
geben  nicht  das  richtige  Bild  von  den  tatsächlichen  Verhältnissen. ­
  Vielfach  lebten  die  Sklaven  in  monogamischem  Ehebund
auf  bestimmten  Grundstücken,  den  Betrieb  kleiner,  selbständiger
Wirtschaftsorganisationen  leitend,  von  denen  eine  größere  Zahl
einem  Herrn  gehörte.  Die  Gesetzgebung  hat  erst  später  Schritt  für
Schritt  die  Sklavenbande  als  gelockert  anerkannt  und  eine  gemilderte ­
  Abhängigkeit  als  zu  Recht  bestehend  festgesetzt.  Die  Ackersklaven ­
  —  etwa  vom  3.  Jahrhundert  an  —  unterscheiden  sich  immer
weniger  von  Bauern,  die  an  die  Scholle  gefesselt  sind  und  bestimmte
Abgaben  an  ihre  Herrn  zu  leisten  haben.  Der  Herr  verfügt  nicht
mehr  über  jede  einzelne  wirtschaftliche  Handlung,  sondern  nur  noch
über  den  Ertrag.  Diese  Bewegung  begegnet  sich  mit  jener,  die  den
Bauern  an  die  Scholle  zu  fesseln  suchte,  um  neue  Steuerträger
schaffen  zu  können,  die  nicht  weglaufen  (S.  133).  Größere  Sklavenmassen ­
  dürften  nur  in  solchen  Betrieben  noch  verwendet  worden
sein,  in  denen  große  Reinerträge  erzielbar  waren,  so  z.  B.  in  den
Bergwerken,  die  edle  Metalle  lieferten.  Dort  wurde  der  Verlust
von  Sklavenleben  reichlich  durch  die  Mehreinnahme  ersetzt.  Größere
Gruppen  von  Sklaven  wurden  einem  Ausseher  übergeben,  der  ihre
Arbeiten  leitete  (Diodor  V,  36).  Um  möglichst  hohe  Erträge  zu
erzielen,  arbeitete  man  die  Sklaven  zugrunde,  gewährte  ihnen  möglichst ­
  wenig  Ruhepausen,  was  natürlich  nur  unter  Anwendung  von
harten  Strafen  durchführbar  war  (Diodor  V,  38).  Wo  das  Zugrundearbeiten ­
  sich  nicht  lohnte,  war  der  freie  Arbeiter  und  Pächter ­
  vielfach  ungünstiger  gestellt  als  der  Sklave,  da  man  in  ungesunden ­
  Gegenden  Freie  verwendete,  deren  Tod  keinen  Schaden
bedeutete,  die  Sklaven  hingegen  schonte  (Columella  I,  7,  4—6).  Ein
großer  Teil  der  am  elendesten  behandelten  Sklaven  waren  solche,
die  strafweise  Sklaven  waren.
Das  Sinken  der  Sklavenzahl  in  der  Kaiserzeit,  als  sich  sehr  viele
hochgebildete  Menschen,  zum  Teil  von  hervorragender  Bedeutung,
unter  den  Sklaven  befanden,  bewirkte,  daß  sich  der  philosophisch  Gebildete ­
  in  immer  stärkerem  Maße  für  die  Sklaven  einsetzte  und  die
sklavische  Seele,  nicht  den  Sklaven  mißachtete  (Dio  v.  Prusa  XV).
So  tadelte  B.  Plutarch  den  älteren  Kalo,  daß  er  die  abgearbeiteten
Sklaven  auf  ihre  alten  Tage  verkaufte,  statt  ihnen  das  Gnadenbrot  zu
            
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