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im Vaterlande selbst, soweit es überhaupt möglich ist, alles erzeugt wird, was
zur Befriedigung unserer Bedürfnisse nötig ist. Die Schaffung der Arbeits
gelegenheit, und zwar einer gut lohnenden und vielseitigen Arbeitsgelegenheit,
fordert Schutz und Förderung der bestehenden Wirtschaftszweige.
Schutz gegen die auswärtige Konkurrenz, Förderung, indem man unserer
Volkswirtschaft die nötigen R o h st o f f e usw. verschafft, ohne die sie nicht
arbeiten kann, sowie, indem man den Erzeugnissen derselben
den Absatz im I n l a n d e sichert und d e in U e b e r s ch u ß
den Weg zum Weltmarkt bahnt und offen hält.
Sowohl in Hinsicht auf die B e s ch a f f u n g von Rohstoffen,
insbesondere aber auf den Absatz der industriell-gewerblichen Produkte im In
lands kommt unserer Landwirtschaft eine sehr große Bedeutung zu.
Die Bäcker, Fleischer und l e d e r verarbeitenden Gewerbe
finden ebenso wie die Zucker-, Spiritus-, Stärke-, Brauindustrie usw. die
Sicherung der Rohstoffzufuhr in der Förderung und dem Schutz der heimischen
Landwirtschaft. Der Rückgang derselben würde die aufgezählten Gewerbe
ausschließlich auf das Ausland verweisen, von wo die Zufuhr
nicht gesichert, vor allem aber die Preisbildung von Trusts und Kartellen
beeinflußt wird. Die ungeheuere Bedeutung der L a n d w i r t s ch a f t als
Konsument der indu st riellge werblichen Fabrikate
kann schließlich gar nicht übersehen werden.
Die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes vom Aus
land wird, abgesehen von kriegerischer Gewalt, in unserer Zeit hauptsächlich
von zwei Gefahren bedroht: l. dadurch, daß unsere Staatsschulden-
verschreibungen in den Besitz des Auslandes übergehen, und 2. daß wir in der
Ernährung unserer Volksmassen vom Auslande abhängig werden. Die
erstere Gefahr beschwören hilft die Handelspolitik mit, wenn sie im Verein
mit den übrigen Maßnahmen der Wirtschaftspolitik trachtet, in unserer Volks
wirtschaft die K a p i t a I s b i l d u n g, besonders in den Sparkassen
einlagen der kleinen Deute, kräftigst zu fördern. Die Gefahr,
in der Lebensmittelversorgung vom Auslande abhängig zu werden, wird be
seitigt durch einen entsprechenden Schutz der Landwirtschaft,
der sich naturgemäß im besonderen Maße für deren Hauptprvdukte, Brot
getreide und Vieh, empfiehlt.
Mittel der Handelspolitik.
Das wichtigste Mittel der Handelspolitik ist der Z o l l. Der Zoll ist eine
Verkehrsabgabe, also eine Art der indirekten Steuern. Eingehoben wird der
Zoll in der Regel an bestimmten Grenzstationen (Zollämter), und zwar heut
zutage fast ausschließlich für eingeführte Waren, daher E i n f u h r z o l l.
Für Waren, die ausgeführt werden oder bloß durchgeführt werden (Durch-
suhrs- oder Transito-Verkehr) sind gewöhnlich nur kleine Abgaben zur Deckung
der statistischen und sonstigen Auslagen zu entrichten. Eine Ausnahme bilden
hier lediglich die Hadern, für die bei der Ausfuhr aus Oesterreich ein Zoll
gezahlt werden muß.