die als Seefahrer die Ansiedlungen an den Küsten des Ägäischen
Meeres frühzeitig miteinander verbanden. Wo sie vor den Griechen
angesiedelt waren, mußten sie vor ihnen zurückweichen, da ihre
Faktoreien nur soweit befestigt waren, um Kontore und Waren
lager vor Überfällen zu schützen, nicht aber, um wohlbewaffnete
Griechenscharen abzuhalten, die auszogen, eine Kolonie zu gründen.
Die Griechen dürften aber wohl kaum von ihnen aus schon ein
mal besetzten Positionen verdrängt worden sein. Ein besonderes
Interesse hatten die Phöniker anfangs sicher nicht daran, ihre
Faktorei als solche zu behaupten, da ihnen als den einzigen Ge
schäftsleuten die neue griechische Kolonie nur bessere Absatzmöglich
keiten und zunächst keine Konkurrenz bedeutete. Die Phöniker
holten im Ägäischen Meere Rohmaterialien aller Art, so neben der
Purpurschnecke Gold, Silber und Kupfer. Neben den Hortgegen
ständen brachten sie auch manche Rohmaterialien, so das Zinn,
welches von den Griechen für die Bronze benötigt wurde. Daß
die Phöniker mit manchen Gegenden in einem sehr regen Verkehr
standen, beweisen die zahlreichen Funde z. B. auf Rhodos, wo
vielleicht phönikische Ansiedlungen bestanden haben mögen. Sicher
sind aber auch die Griechen schon sehr früh dorthin gekommen
und haben dort einige Städte gegründet, die mit einigen andern
zusammen einen Bund bildeten. Von dort aus besiedelten sie die
umliegenden Inseln und scheinen auch mit Kreta Beziehungen
fortgesetzt zu haben, die bereits in vorgriechischer Zeit bestanden.
Die Griechen blieben nicht lange nur Abnehmer der phönikischen
Waren, um für dieselben Rohmaterialien zu liefern, sondern er
zeugten allmählich auch Waren, die im Orient Interesse erregten
und dort gekauft wurden. Dann kamen sie schließlich soweit, nach
der Vermutung mancher schon in mykenischer Zeit, sie selbst zu
exportieren, und zwar nicht nur innerhalb des griechischen Bereichs,
sondern sogar nach dem Orient, wo sie den Phönikern, ihren Lehr
meistern, bald Konkurrenz machten. Wenn die Griechen auch sicher
sich zunächst selbständig als Seefahrer entwickelten, so wie im Mittel
alter etwa die Normannen, so haben sie doch von den Phönikern
überaus viel gelernt. Doch machten die Orientalen auch fernerhin
gute Geschäfte, denn der Luxus steigerte sich und damit die Kauf
lust; es gab orientalische Waren, die immer begehrt waren und
nicht nachgemacht werden konnten. Immer mehr dürften nun auch
Gegenstände des Massenkonsums in den Handel gekommen sein
und schließlich den ganzen Verkehr umgewandelt haben (S. 43).