Object: Finanzwissenschaft

58 _2.Buch. Die verfassungsmäßige Ordnung des Staatshaushaltes u. das Budget. 
gaben bildeten vormals ein Drittel, gegenwärtig etwa 16%, der Aus- 
gaben. Von den Steuern wird die Einkommensteuer alljährlich 
votiert, während beiläufig die Hälfte der Einnahmen der jährlichen 
Votierung nicht unterliegt. Dies das Wesentliche des sogenannten 
Normalbudgets, das eigentlich stabiles Budget heißen sollte. 
Es unterliegt keinem Zweifel, daß gewisse Ausgaben — Zivilliste, 
Gehälter, Staatsschuldenzinsen usw. — von Jahr zu Jahr wieder- 
kehren und daher eine Jährliche Festsetzung resp. Bewilligung nicht 
erfordern. Auch davon kann nicht die Rede sein, daß diese Aus- 
gabenposten verweigert werden, da der Staat staats- oder privat- 
rechtlich verpflichtet ist und auf die Nichterfüllung dieser Pflichten 
in Wirklichkeit das Sprichwort anwendbar wäre: medicina pejor 
morbo. Wenn diese Posten also auf längere Zeit festgesetzt 
würden, so würde das kaum von Nachteilen begleitet sein. Da 
also ohnehin bei diesen Posten von einer Verweigerung ernstlic 
nicht die Rede sein kann, so ist deren längere Festsetzung eine 
Geh der Debatte von einem überflüssigen Ballast, wodurc 
dann die Debatte bei den wirklich in Frage kommenden Ude 
um so gründlicher und ernster sein kann. In England ist dies um 
so eher möglich, als kein Parlamentsglied weder neue Einnahmen 
noch neue Ausgaben in Vorschlag bringen kann, andererseits hin- 
wieder jede Beschränkung der Debatte und des Budgetrechts vom 
souveränen Parlament natürlich jederzeit wieder aufgehoben werden 
kann, dem Satze gemäß, daß das englische Parlament alles tun 
kann, nur kann es aus einem Knaben kein Mädchen machen un 
umgekehrt. Das englische System des Normalbudgets stammt aus 
älterer Zeit und zwar aus der Gewohnheit des Parlaments, daß es 
für gewisse Ausgaben gewisse Einnahmequellen festlegte. Die be- 
treffenden Einnahmen wurden in einem Fonds vereinigt. Solcher 
Fonds waren drei, die dann im Jahre 1786 in dem sogenannten 
consolidated fund vereinigt wurden. In diesen Fonds flossen alle 
dauernden Einnahmen. Im Jahre 1846 wurde der Unterschied der 
ständigen und einjährigen, auf ein Jahr bewilligten Einnahmen 
(permanent and annual duties) beseitigt und seitdem fließen alle 
ordentlichen Staatseinnahmen in den consolidated fund. Aus diesem 
Fonds werden namentlich die Zivilliste, die Gehälter, die Kosten 
der Staatsschulden usw. gedeckt, von welchen Ausgaben die Auf- 
fassung herrscht, die Würde des Staates gestatte es nicht, 
aß diese Posten der Unsicherheit der jährlichen Votierung aus- 
gesetzt werden und nach Todd wurde die Richtigkeit dieses Prinzips 
stets anerkannt. In dieser Form verwirklichte England das Prinzip 
des Normalbudgets, indem das Budget aus zwei Hauptteilen be-
	        
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