Metadata: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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im Winter 1914 befand, verlangte indes ein schnelles Zugreifen, ein 
augenblickliches Handeln an anderer Stelle. Da die schwedischen und 
die finnischen Überfahrtshäfen am bottnischen Meerbusen, auch ab 
gesehen von der Minengefahr (Minenkatastrophe auf der Höhe von 
Maentyluoto), nicht in Betracht kamen, so blieb als einziger Ausweg 
der Versuch, das finnische mit dem schwedischen Bahnnetz zu ver 
binden. Die russische Regierung hatte auf ein Entgegenkommen der 
schwedischen gehofft. Sie hatte zunächst während der Wintermonate 
1914 einen Schlittenverkehr von der finnischen Grenzstation Tomeä 
zu dem etwa 20 km nördlich gelegenen finnischen Karungi und dann 
über das Eis des Tome-elf nach Schwedisch - Karungi (Kukkola), dem 
Schlußpunkt der schwedischen Nordbahn, eingerichtet. Seit dem 
11. Dezember war ein Schnellzugsverkehr Petersburg—Torneä her 
gestellt, am 5. Januar 1915 sogar die Bahn Torneä—Karungi vollendet 
und am 21. für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Die Ausführung 
dieser Bahn war allerdings nur als vorläufig anzusehen, da nach dem 
Auftauen der Erde die Festigung des Untergrundes sich als unzulänglich 
erwies. Einen vollen Ersatz konnte somit die nur provisorisch gebaute 
Bahn für die abgeschnittenen Zufuhrstraßen nicht bieten. Der Über 
gang zwischen dem finnischen und dem schwedischen Karungi erfolgte 
über das Eis des Torne-elf auf Schlitten und Kraftwagen. Die Ent 
fernung von Station zu Station beträgt kaum 3 km. Sowohl der finnische 
wie der schwedische Grenzort entwickelten sich schnell: man sprach 
schon von einem nordischen «Klondylie. Die gesamte russisch-deutsche 
Post, die den Gefangenen der beiden Staaten zugeführt wird, ging über 
Karungi. Der russischen Regierung lag daran, einen lebhaften Transit 
handel ins Leben zu rufen. Um aber von provisorischen zu befestigten 
Zuständen zu gelangen, arbeitete sie darauf hin, die Erlaubnis zur Anlage 
einer von ihr selbst zu errichtenden Brücke über den Torne-elf zwischen 
den beiden Karungi von der schwedischen Regierung zu erhalten, stieß 
aber bei dieser auf energischen Widerstand, da Schweden aus militäri 
schen Gründen und aus Neutralitätsrücksichten seine Einwilligung nicht 
geben zu können glaubte 1 ). Nach längeren Verhandlungen gab Rußland 
*) Etwas mysteriös klingt die Meldung einer nordschwedischen Zeitung, 
„Norbottens Kuriren“, vom Dezember 1914, daß russische Ingenieure bei Naerki 
und Aayasaksa eine Bahnlinie trassierten. Die Trassierungsarbeiten verrieten, 
daß Rußland die Anschlußbahn nicht in Karungi enden lassen wolle, sondern der 
schwedischen Grenze entlang bis nach Norwegen weiterzubauen plane. Tatsäch 
lich verlautete bis Anfang Oktober 1915 nichts mehr über diesen angeblichen 
Bahnbau. — Die Schweden haben auch den Bahnbau Kemi—Rovaniemi mit Miß 
trauen verfolgt: auch von ihm erwarteten sie eine Offensivzwecken dienende 
Fortsetzung zu dem nordwestfinnischen Keil, der sich bedeutsam zwischen Nor 
wegen, Schweden und Rußland schiebt und der, ein Stück des schwedischen Finn 
marken, nach den Worten des schwedischen Militärs und Reichstagsmitgliedes 
Ernst Liljedahl, 1809 als Zukunftshoffnung eingetrieben wurde.
	        
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