Full text : Das kommunistische Manifest

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Manifest  nennen  dürfen.  Unter  Sozialisten  verstand  man  1847  zweierlei
Art  von  Leuten.  Einerseits  die  Anhänger  der  verschiedenen  ntopistischen
Systeme,  speziell  die  Owenisten  in  England  und  die  Fourieristen  in
Frankreich,  die  beide  schon  damals  zu  bloßen,  allmählig  aussterbenden
Sekten  zusammengeschrumpft  waren.  Andrerseits  die  mannichfaltigsten
sozialen  Quacksalber,  die  mit  ihren  verschiedenen  Allerweltheilmttteln
und  mit  jeder  Art  von  Flickarbeit  die  gesellschaftlichen  Mißstände  beseitigen ­
  wollten,  ohne  dem  Kapital  und  dem  Profit  im  Geringsten  wehe
zu  thun.  In  beiden  Fällen:  Leute,  die  außerhalb  der  Arbeiterbewegung
standen,  und  die  vielinehr  Unterstützung  suchten  bei  den  „gebildeten"
Klassen.  Derjenige  Theil  der  Arbeiter  dagegen,  der,  von  der  Unzulänglichkeit ­
  bloßer  politischer  Umwälzungen  überzeugt,  eine  gründliche  Umgestaltung ­
  der  Gesellschaft  forderte,  der  Theil  nannte  sich  damals  k  o  mm
  u  n  i  st  i  s  ch.  Es  war  ein  nur  im  Rauhen  gearbeiteter,  nur  instinktiver,
manchmal  etwas  roher  Kommunismus;  aber  er  war  mächtig  genug,  um
zwei  Systeme  des  utopischen  Kommunismus  zu  erzeugen,  in  Frankreich
den  „ikarischen"  Cabet's,  in  Deutschland  den  von  Weitling.  Sozialismus
bedeutete  1847,  eine,  Bourgeoisbewegnng,  Kommunismus  eine  Arbeiterbewegung. ­
  Der  Sozialismus  war,  aus  dem  Kontinent  wenigstens,  salonfähig ­
  ,  der  Kommunismus  war  das  grade  Gegentheil.  Und  da  wir
schon  damals  sehr  entschieden  der  Ansicht  waren,  daß  „die  Emanzipation
der  Arbeiter  das  Werk  der  Arbeiterklasse  selbst  sein  ninß",  so  konnten
wir  keinen  Augenblick  im  Zweifel  sein,  welchen  der  beiden  Namen  zu
wählen.  Auch  seitdem  ist  es  uns  nie  eingefallen,  ihn  zurückzuweisen.
„Proletarier  aller  Länder,  vereinigt  euch!"  Nur  wenige  Stimmen
antworteten,  als  wir  diese  Worte  in  die  Welt  binausriefen,  vor  nunmehr ­
  42  Jahren,  am  Vorabend  der  ersten  Pariser  Revolution,  worin
das  Proletariat  mit  eignen  Ansprüchen  hervortrat.  Aber  am  28.  September ­
  1864  vereinigten  sich  Proletarier  der  meisten  westeuropäischen
Länder  zur  Internationalen  Arbeiter-Assoziation  glorreichen  Angedenkens.
Die  Internationale  selbst  lebte  allerdings  nur  neun  Jahre.  Aber  daß  der
von  ihr  gegründete  ewige  Bund  der  Proletarier  aller  Länder  noch  lebt,
und  kräftiger  lebt  als  je,  dafür  gibt  es  keinen  bessern  Zeugen  als  grade
den  heutigen  Tag.  Denn  heute,  wo  ich  diese  Zeilen  schreibe,  hält  das
europäische  und  amerikanische  Proletariat  Heerschan  über  seine  zum  ersten
Mal  mobil  gemachten  Streitkräfte,  mobil  gemacht  als  Ein  Heer,  unter
Einer  Fahne  und  für  Ein  nächstes  Ziel:  den  schon  vom  Genfer  Kongreß
der  Internationale  1866,  und  wiederum  vom  Pariser  Arbeiterkougreß
1889  proklamirten,  gesetzlich  festzustellenden,  achtstündigen  Normalarbeiistag.
  Und  das  Schauspiel  des  heutigen  Tages  wird  den  Kapitalisten
und  Grundherren  aller  Länder  die  Angen  darüber  öffnen,  daß  heute
die  Proletarier  aller  Länder  in  der  That  vereinigt  sind.
Stände  nur  Marx  noch  neben  mir,  dies  mit  eignen  Angln  zu  sehn!
London,  am  1.  Mai  1890.

F.  Engels
            
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