Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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Das, was rettete, war die anfangs unbewußte, später 
immer bewußter werdende Flucht zum Objektiven: nicht um 
sich ihm zu beugen, sondern um durch seine Beherrschung selber 
zu herrschen. Es ist der Weg, den die deutsche Kultur bis 
zum Schlusse der ersten subjektivistischen Periode Stufe für 
Stufe, in tausend leisen Fortschritten vom Objektiven des 
Geistes hin bis zum Objektiven der Natur gegangen ist; und es 
gehört zu den reizvollsten Aufgaben der Geschichtschreibung 
des 19. Jahrhunderts, ihn in seinen einzelnen Phasen zu ver⸗ 
solgen und in seiner jeweiligen Vollendungshöhe zu deuten. 
Was zunächst zur Bildung eines neuen, konzentrierten 
und souveränen Ichs hinüberleitete, war die Stärkung der ver⸗ 
einheitlichenden Kraft des Selbstbewußtseins, insofern dieses sich 
auf die Vorstellungen bezog, welche der Zeit und ihrer wesentlich 
ideologischen Anschauung am nächsten lagen: war der Versuch, 
auf dem Wege der Universalphilosophie und der geschichtlichen 
Betrachtung der Menschheit zu einer Reihe beherrschender 
Werte zu gelangen. Dabei war nichts vielleicht eigentümlicher 
als die gleichsam germanische Renaissance, die Selbsterneuerung 
aus der Vergangenheit des eigenen Volkes auf dem Wege der 
praktischen Umdeutung der in ihr beruhenden ästhetischen, 
ethischen und politischen Werte, die sich erst spekulativ und 
dichterisch, darnach wissenschaftlich und antiquarisch-geschichtlich 
vollzog. Es war ein Erneuerungsprozeß besonderer Art, wie 
er sich wohl ausnahmslos in der Geschichte jeder hochkultivierten 
Nation verfolgen läßt und einmal eingehender vergleichender 
Beleuchtung bedürfte, um die typische Tiefe seiner Vorgänge zu 
erfassen. Es war bei weitem mehr als der „Reflex des er— 
solgreichen Rückstoßes der historischen Maͤchte gegen die Re— 
volution“, wie die politische Historie den Vorgang zu deuten 
pflegt: und seine Wichtigkeit hat schon vor zwei Menschenaltern 
der Maler Wilhelm Kaulbach weit gründlicher erfaßt in den 
Worten: „Geschichte müssen wir malen, Geschichte ist die Re— 
ligion unserer Zeit.“ 
Indem aber auf dem Wege geschichtlicher Kontemplation und 
Forschung ein erstes Verhältnis zu den objektiven Mächten der Zeit
	        
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