186 Eisenbahnen: Die Lokomotive.
Dampfwagen gebaut. In einer von ihm um das Jahr 1805 zu Philadelphia ver
öffentlichten Schrift: „Führer des jungen Ingenieurs", legte er zwar die Grundzüge
seiner Dampfmaschine, mit besonderer Berücksichtigung ihrer Verwendung für Schiffs
und Wagenantrieb dar, beschreibt jedoch nirgends die Bauart eines Dampfwagens.
Er empfiehlt in seiner Abhandlung zum Betriebe seiner Hochdruckmaschine bereits starke
schmiedeeiserne Kessel mit einem Flammrohr im Inneren, und macht ferner sehr viele,
damals höchst wertvolle Angaben über hochgespannten Dampf, bemerkt auch, daß ihm
die Arbeiten Watts und seiner Vorgänger wohl bekannt seien.
In England hatte mittlerweile Richard Trevithik im Verein mit seinem Vetter
Vivian 1802 ein Patent auf eine Hochdruckdampfmaschine und ihre Anwendung aus
Dampfwagen genommen. Vivian gab nach Colburns „Geschichte der Lokomotive" das
Geld her zu dem Bau einer Dampfdroschke, die nach London zur Schau gebracht wurde.
Sie hatte aber keinen rechten Erfolg. Ein
von Trevithik 1802 angefertigtes Modell
einer Straßenlokomotive befindet sich im
South-Kensington-Museum in London,
woselbst eine Anzahl der denkwürdigsten
Erfindungen auf dem Gebiete des Maschi
nenbaues in ihrer ersten Ausführung zu
sammengestellt sind. Besonders merkwürdig
an dieser Versuchslokomotive, die Abb. 182
wiedergibt, ist das große Schwungrad, das
die Drehbewegung der Radachse gleich
förmiger gestalten sollte, da nur ein
Dampfcylinder vorhanden war. Doch erst
als Trevithik 1804 einen zweiten, für
Spurbahnen bestimmten Dampfwagen
baute, glückte ihm die Sache leidlich. Die
noch jetzt im genannten Londoner Museum
aufbewahrte Entwurfszeichnung hierzu
wurde im Dezember 1803 vollendet. Nach
ihr ist die „Engineering" entnommene
Abb. 183 gefertigt. Beide Radachsen
werden von der Schwungradwelle durch
Zahnräder angetrieben. Am vorderen
Kesselende liegt der sehr lange Cylinder
mit dem Kolben, die Feuerthür und auch
der Schornstein. Das die Feuerung auf
nehmende „Flammrohr" durchzieht hier
bereits das Kesselinnere in v-Form, also zweimal. Es besitzt daher eine große Heizfläche,
welche die Wärme der Feuergase recht wirksam an das umgebende Kesselwasser abgeben kann.
Der verbrauchte Dampf, Abdampf genannt, wurde durch ein Rohr in den Schornstein ge
leitet und diente so zur Verstärkung des für die Verbrennung erforderlichen Luftzuges. Die
bei Trevithiks erstem Dampfwagen angebrachten Blasebälge waren dadurch wirksam beseitigt.
Auf diese Art der Feueranfachung, wohl die erste Anwendung des „künstlichen Zuges", wird
durch Gilbert in Nicholsons „philosophischer Zeitschrift" vom Jahre 1805 ausdrücklich auf
merksam gemacht. Es ist dies ein um so wichtigerer Vermerk, als später, wie wir sehen
werden, eine ganze Anzahl von Männern Anspruch auf die erste Anwendung des künst
lichen Zuges durch Abdampf erheben. Der Dampfdruck der Trevithikschen Lokomotive
betrug ungefähr drei Atmosphären, war also gegenüber den damaligen Wattschen Nieder
druckmaschinen immerhin schon hoch. Die Lokomotive diente kurze Zeit auf der Merthyr
Tidvil-Bahn in Südwales zur Roheisenbeförderung und vermochte mehrere mit insgesamt
10 000 kg Eisen belastete Wagen zu ziehen. Sie fand wohl eine große Zahl von
Bewunderern, aber keine weitere Nachahmung.
182. Trevithiks Kchwungradiokomotive, 1802.