95 Verhältnis von Kapital und Arbeit
burg-Skandale, wo die Untersuchungskommission feststellte,
daß in der ganzen Geschichte weder Sklaven noch freie Ar-
beiter jemals dermaßen ausgenutzt worden seien, wie es in der
Stahlindustrie das übliche Verfahren sei1®, Und so dürfte
wohl Pierpont Morgan sehr viel richtiger dem allgemein vor-
herrschenden Verhalten der Unternehmer Ausdruck gegeben
haben, als er von der Industrial Commission auf. die Frage:
bis zu welchem Grade die Direktoren von Korporationen für
die Arbeitsbedingungen in den Industrien, in denen sie die
Leitung haben, verantwortlich seien, erwiderte: „Not at all
I should say.“ 139
Höchst sonderbar, wie Töne aus einem fremden Lande
mögen dem alten Rockefeller die Äußerungen seines Sohnes
in den‘ Ohren geklungen haben: „Die gesunde industrielle
Doktrin muß dauernd das Wohlbefinden der Arbeiter gleich-
zeitig im Auge haben wie die Profite, und, wenn es sich als not-
wendig herausstellen sollte, diese dem Wohlbefinden der Ar-
beiter unterordnen. Wenn es kein anderes Mittel gibt, um der
Arbeit einen gerechten Lohn und gute Existenzbedingungen
zu verschaffen, so muß man die Dividenden aufschieben oder
ganz auf sie verzichten.‘ 140 Die gleiche Auffassung ist von
Schwab, dem Leiter der Bethlehem Steel Co., vertreten wor-
den :,, Wenn es nötig ist, müssen wir uns mit geringen Profiten
oder mit überhaupt keinen begnügen. Wir müssen Opfer
bringen, um unseren Arbeitern Arbeit und Zufriedenheit zu
geben‘ 141, und zu denselben Prinzipien hat sich Ford bekannt:
„Wenn ich vor die Wahl gestellt werde, entweder die Löhne