sagt es klar: „It is this theory, Sir, which fournishes to the opponents
of the American System the intellectual means of there opposition‘‘148,
Es ist eine „dangerous doctrine‘“ nämlich für die Amerikaner. Die
längste Erörterung ‚dieses Gegensatzes findet sich im Zollvereins-
blatt149:; „Da wir aber Deutsche sind, die vermittelst der Adam Smith-
schen Theorie in der Kindheit erhalten und der englischen National-
größe geopfert werden sollen, so kann es nur Schulmeisterköpfen bei-
kommen, uns einer Verletzung der A. Smithschen Schulmajestät an-
zuklagen, wenn wir ihr Idol rein vom Standpunkt des deutschen Poli-
tikers aus beurteilen und richten.“ Die fundamentale Anerkennung der
letztlichen Richtigkeit der „Theorie“ ist ja die faktische wie die logi-
sche Voraussetzung für die Vollendung des Stufensystems. Sie ist selbst
der Gipfel der Listschen Lehre, ohne die sein System als solches weder
geschlossen, noch überhaupt möglich wäre. „I believe :. . that the
fundamental principles of the science could only be discovered by his
Smiths) researches on the economy of individuals and of man-
kind150,“
An manchen anderen Stellen spricht List über die Nützlichkeit und
Brauchbarkeit der „Theorie“ zur Erkenntnis der Einzelheiten des wirt-
schaftlichen Kreislaufs!51, Sein Mißtrauen beginnt bei dem Problem
der Übertragbarkeit der in England entstandenen Theorien in anderen
Ländern; derselbe Wortlaut der Freihandelspropaganda in England
gegen die schädlichen Agrarzölle gerichtet, wird ın Deutschland fak-
tisch gegen den Industrieschutzzoll wirksam verwertet; und List sah
ebenso die praktische Auswirkung des englischen Freihandels in den
entferntesten östlichen Ländern152,
List als Parteizeugen für diese oder jene Zollpolitik heranzuziehen,
war in der Hauptsache die Art, in welcher sein Werk in den letzten
Generationen lebendig und wirksam geblieben ist.
Mit der Änderung der geistigen und wirtschaftlichen Probleme und
mit der solange vernachlässigten Verpflichtung, für jede Listforschung
das Gesamtwerk heranzuziehen, dürfte für unsere Generation eine
neue Phase der Wirksamkeit Friedrich Lists einsetzen. Es liegt zu-
nächst eine noch nicht geleistete reine Erkenntnisaufgabe vor; in ıhr ist
kein Raum für die Frage, ob List Freihändler oder Schutzzöllner war.
Vielmehr werden beide bisherigen „Parteien“ in der Strukturfor-
schung eine gemeinsame objektive Arbeitsbasis finden. Nicht „ob“
List für die eine oder die andere Ansicht in Anspruch zu nehmen sei,
kann das in dieser Form viel zu einfach gestellte Problem sein; son-
dern, wie die rationale Idee des freien Weltverkehrs neben der Idee
der Nation und neben der Schau auf die Geschichte der „wirklichen
Volkswirtschaften‘“153 in dem einzigartigen System der deutschen Wirt-
schaftswissenschaft als Aufbaufaktoren notwendig zusammen-
stehen, ist die neue und wichtige Frage. Vielleicht wird Friedrich
List in unserer Generation dann diejenige Wirkung zuteil, welche seit
Rau’s und Hildebrands vernichtendem Urteil über die produktiven
Kräfte radikal ausgeschaltet worden ist: ein Befruchter der
systematischen Theorie der Wirtschaft zu werden.
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