Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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welche  Faktoren  die  Differenz  in  der  Lohnhöhe  je  nach  den  verschiedenen
Gouvernements  resp.  verschiedenen  Kreisen  im  Gouv.  Cherson  hervorrufen.
  Jetzt  verlassen  wir  vorläufig  die  Erörterung  über  Tagelöhne,  um
zu  den  anderen  Arten  der  Arbeitslöhne  und  zwar  zunächst  zum  Akkordlohn ­
  überzugehen.

III.  Akkordlohn.
Die  Angaben,  die  den  Akkordlohn  betreffen,  zeichnen  sich  durch
entschieden  grössere  Lückenhaftigkeit  aus,  als  die  über  den  Tagelohn.
Am  ausführlichsten  sind  die  Angaben  der  Gouverneurberichte.  Wir
erachteten  es  aber  für  unmöglich,  uns  dieser  Angaben  zu  bedienen;
1.  stellen  sie  sich  nur  als  Durchschnittsangaben  dar  und  2.  sind  sie
ebenso  unzuverlässig  wie  jene  des  Ackerbauministeriums,  da  sie  Durchschnittslohnsätze ­
  für  verschiedene  Arbeiten,  verschiedene  Arbeiterkategorien ­
  und  verschiedene  Jahreszeiten  berechnen.  Dies  ist  aber  bezüglich
des  Akkordlohnes  noch  weniger  statthaft,  als  bezüglich  des  Tagelohnes.
Die  Akkordarbeiten  sind  so  differenziert  und  mannigfaltig,  dass  eine  Durchschnittsberechnung ­
  nichts  beweisen  kann.  Die  Angaben  des  Ackerbauministeriums ­
  sind  überaus  lückenhaft  und  manchmal  ganz  unbestimmt
gehalten.  Ausführlicher  sind  die  Akkordlohnsätze  für  die  II.  und  III.  Arbeitsperiode ­
  gehalten,  während  die  für  die  I.  vollständig  fehlen.  Vereinzelte
Mitteilungen  für  die  I.  Periode  beziehen  sich  auf  die  80er  Jahre  und  auf
das  Jahr  1895.  Aus  den  Angaben  bezüglich  der  anderen  Feldarbeiten
waren  wir  in  der  Lage,  die  Durchschnittssätze  nur  für  die  Heumahd  und
das  Einbringen  des  Heues  und  das  des  Getreides  zu  bestimmen.  Eine
solche  Lückenhaftigkeit  und  Ungenauigkeit  der  Quellen  über  die  Akkordlohnsätze ­
  lässt  sich  aus  dein  Wesen  des  Akkordlohnes  in  Neurussland
erklären.  Die  Entlohnung  für  Heuerntearbeiten  findet  sowohl  in  den  80er
Jahren  als  auch  in  vielen  Fällen  noch  heute  mit  Anteilen  am  Heuernteertrage ­
  statt.  Ausserdem  werden  in  den  80er  Jahren  als  Zuschlag
Naturalien  geliefert,  wie  z.  B.  Mehl,  Fische  u.  dgl.
Gegenwärtig  bedient  man  sich  des  Akkordlohnes  während  der  Getreideerntearbeiten, ­
  infolge  zunehmender  Verwendung  landwirtschaftlicher
Maschinen,  bedeutend  weniger  als  vor  20—25  Jahren.  Der  Akkordlohn
bleibt  also  hauptsächlich  für  die  Heumahd  und  die  Bestellarbeiten  und
damit  lässt  sich  der  Umstand  erklären,  dass  systematische  und  mehr
oder  weniger  ausführliche  Angaben  über  den  Akkordlohn  für  Getreideerntearbeiten ­
  nur  bis  zum  Jahre  1895  vorliegen.  In  Anbetracht  dessen
haben  wir  es  für  zweckmässig  erachtet,  Angaben  für  alle  sechs  Kreise
des  Gouv.  Cherson  für  die  Zeitperiode  von  1893—1903  anzuführen.
            
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