Full text: Fabrikorganisation, Fabrikbuchführung und Selbstkostenberechnung der Firma Ludw. Loewe & Co. Actiengesellschaft, Berlin

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Die Ausgabe und Verrechnung des Tees. 
Die Feststellung der Strafen erfolgt durch den Betriebsvorgesetzten und wird 
dem zu bestrafenden Arbeiter ohne Verzug bekannt gegeben. 
Eine etwaige Beschwerde hiergegen ist beim Leiter der Fabrik anzubringen. 
Die Strafgelder fließen in die Fabrikkrankenkasse. 
§ 43 a. 
Auf die Arbeiterinnen findet die für die Arbeiter geltende Arbeitsordnung der 
Firma Ludw. Loewe & Co. Actiengesellschaft Anwendung mit folgenden Änderungen: 
I. die Arbeiterinnen dürfen nicht in der Nachtzeit von 8‘/ 2 Uhr abends bis 5 ! / 2 Uhr 
morgens, und am Sonnabend, sowie an Vorabenden der Festtage nicht nach 
5V 2 Uhr nachmittags beschäftigt werden; 
II. Arbeiterinnen über 16 Jahre, welche ein Hauswesen zu führen haben, sind auf 
ihren Antrag eine halbe Stunde vor der Mittagspause zu entlassen; 
III. Wöchnerinnen dürfen während 4 Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt 
nicht und während der folgenden 2 Wochen nur beschäftigt werden, wenn das 
Zeugnis eines approbierten Arztes dies für zulässig erklärt. 
Es bleibt Vorbehalten: 
die Arbeitszeit der Arbeiterinnen morgens eine halbe Stunde später beginnen 
zu lassen; 
abends eine halbe Stunde früher enden zu lassen; 
ihre Mittagspause auf die Zeit von 1—2 Uhr zu verlegen. 
9. Zusätze und Abänderungen der Arbeitsordnung. 
§ 44. 
Zusätze und Abänderungen vorstehender Arbeitsordnung erfolgen durch den 
Erlaß von Nachträgen. Die Nachträge treten frühestens zwei Wochen nach ihrem 
Erlaß in Geltung. Der Erlaß erfolgt durch Aushang in der Fabrik. 
Die Ausgabe und Verrechnung des Tees. 
Von den Einrichtungen, welche die Firma für ihre Arbeiter geschaffen hat, 
verdient besonders die Seite 26 genannte Teeküche genannt zu werden, welche ein 
gerichtet ist, um den Arbeitern im Sommer ein erfrischendes, im Winter ein wärmen 
des Getränk geben zu können. 
Die Teeküche ist im Erdgeschoß des Spezialmaschinengebäudes untergebracht. 
Mit Hilfe moderner Einrichtungen zum Reinigen der Flaschen und zum Zubereiten 
und Füllen des Tees in Flaschen wird bei Verwendung guter Qualität ein wohl 
schmeckendes Getränk zu billigem Preise hergestellt. Zurzeit wird der Tee an die 
eigenen Arbeiter und Beamten für 3 Pfg. pro ‘/a Liter abgegeben. Der tägliche Kon 
sum schwankt je nach der Jahreszeit und Temperatur zwischen 1750 und 2000 Flaschen 
ä V„ Liter. Die Zubereitung erfolgt in der Regel in der Weise, daß auf 180 Liter Wasser 
1 kg Tee und 4 kg weißer Zucker genommen wird. 
Die Ausgabe des Tees an die Arbeiter erfolgt an den „Teeausgabestellen“, welche 
meist in den Werkzeuglagern der Werkstätten eingerichtet und von den Lagerver 
waltern übernommen sind. Die Ausgabestellen holen den Tee aus der Küche gegen 
Quittungsbücher („Teebücher“) und verausgaben ihn an die Arbeiter und Beamten 
gegen Blechmarken. Die Marken können an den Ausgabestellen gegen Quittung in 
Mengen von zehn oder fünfundzwanzig Stück entnommen werden. Am Monatsschluß 
werden die Quittungen in die Bureaus gegeben und den Arbeitern der danach zu 
berechnende Betrag für den Tee vom Lohn in Abzug gebracht. Von den Beamten 
werden die Beträge einkassiert. 
Hat ein Arbeiter oder Beamter bei seinem Austreten aus der Firma Teemarken 
noch nicht verwendet, so wird ihm der bereits erhobene Betrag hierfür zurück 
gezahlt.
	        
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