17. Kapitel. Die organisierte Selbsthilfe.
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Soll die Selbsthilfe zu größerer Bedeutung gelangen, so muß sie derart
organisiert werden, daß die zersplitterten Kräfte der Einzelnen zu gemeinsamer
Wirksamkeit zusammengefaßt werden. Daß dies geschieht, ist
an sich im allgemeinen Interesse unentbehrlich. Die arbeitende Bevölkerung
darf nicht alle Hilfe von außen und von oben erwarten. Sie muß
selbst mit Hand anlegen, ihre Lage zu verbessern und sich gegen
Wechselfälle des Lebens sicherzustellen. Es ist nicht gut, das Streben
nach organisierter Selbsthilfe zu unterdrücken. Im Gegenteil, man
muß es gerade da, wo Gesetzgebung, öffentliche Gewalt, Arbeitgeber
und gemeinnützige Organisationen eine umfassende sozialpolitische
Arbeit leisten, besonders anregen und fördern und auf die
geeignetsten W r ege hinzulenken suchen, damit das Selbstverantwortlichkeitsgefühl
der Bevölkerung nicht abstirbt. Zudem ist es bei der
Vielgestaltigkeit der sozialpolitischen Aufgaben unvermeidlich, daß gewisse
Fragen nicht von außen und von oben her gelöst werden können;
die Tätigkeit der organisierten Selbsthilfe muß hier ergänzend eingreifen.
Wäre es möglich, auf dem Wege der organisierten Selbthilfe alle
wesentlichen Aufgaben sozialpolitischer Art zu lösen, so würde es des
Eingreifens der übrigen Faktoren gar nicht oder doch nur in eng begrenztem
Umfange bedürfen. Tatsächlich haben sich aber die Dinge
fast durchweg umgekehrt gestaltet, und die Selbsthilfe ist auf die ergänzende
Wirksamkeit angewiesen. Der Grund dafür liegt zunächst
darin, daß eine ganze Reihe sozialpolitischer Aufgaben überhaupt nicht
im engeren Kreise, sondern nur einheitlich für das ganze Land, nicht
durch die Beteiligten selbst, sondern nur durch Organe mit weiter
reichendem Einfluß und mit größerer Machtvollkommenheit gelöst werden
kann. Weiterhin zieht die verhältnismäßig geringe finanzielle Kraft
der zum Zweck der Selbsthilfe organisierten Arbeiter ihrer Wirksamkeit
enge Grenzen. Wenn viele kapitalarme Arbeiter sich zu gemeinsamer
Arbeit verbinden, so ist doch schließlich die Kapitalkraft und
deshalb auch der Kredit der Organisation nicht von besonderer Ausdehnung.
Es fehlt nicht an Beispielen dafür, daß diese Schwäche nach
und nach durch beharrliches Arbeiten und geschicktes Vorgehen überwunden
werden kann; aber an Beispielen für das Gegenteil fehlt es
noch weniger. Auch wo es schließlich gelingt, über die Schwierigkeit
hinwegzukommen, die sich aus der beschränkten Kapital- und Kreditkraft
ergibt, ist doch eine schnell wirksam werdende Hilfe ausgeschlossen.
Die organisierte Selbsthilfe versagt deshalb in der Regel da, wo große
Leistungen in kurzer Zeit zustande gebracht werden müssen. Dazu
kommt, daß der Bestand der Organe der Selbsthilfe nicht die Garantie
der Dauer in sich trägt. Aufgaben, deren Durchführung sich auf lange
Zeiträume verteilt, oder die überhaupt dauernd wirkende Maßregeln