Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

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I.  Teil.  Allgemeines.

unter  Anregung  und  Beteiligung  der  preußischen  Ministerien  für
Handel  und  Gewerbe  und  der  öffentlichen  Arbeiten  zusammentraten.
Sie  hat  sich  die  Sammlung  des  einschlägigen  Materials  angelegen  sein
lassen  und  sie  zu  Zwecken  der  Anregung  und  Belehrung  reichlich  benutzt, ­
  daneben  aber  auch  in  erheblichem  Grade  an  der  praktischen
Durchführung  sozialpolitischer  Maßregeln  mitgewirkt.  Als  eine  besondere ­
  Abteilung  der  Zentralstelle  wurde  1896  ein  „Ausschuß  für
Wohlfahrtspflege  auf  dem  Lande“  gebildet  unter  materieller  Förderung
durch  das  preußische  Landwirtschaftsministerium  und  das  sächsische
Ministerium  des  Innern.
In  Deutschland  hat  man  sich  aber  damit  nicht  begnügt.  Nachdem ­
  in  der  Öffentlichkeit  und  im  Reichstage  wiederholt  die  Errichtung
eines  Reichsmuseums  für  Arbeiterwohlfahrt  befürwortet  worden  war,
übernahm  es  1900  die  Reichsverwaltung,  den  Plan  zu  verwirklichen.
Sie  hat  in  einem  besonderen  Gebäude  (zu  Charlottenburg),  das  mit  einem
Aufwand  von  1043000  M.  errichtet  worden  ist,  eine  „Ständige
Ausstellung  für  Arbeiterwohlfahrt“  errichtet  und  für  deren
Unterhaltung  im  Etat  für  1902:  30000,  für  1903:  40000  und  für  1904:
50000  M.  ausgeworfen.  Die  Ausstellung  wurde  am  18.  Mai  1903  eröffnet
als  die  erste  staatliche  Veranstaltung  dieser  Art.  Ihrer  Verwaltung,  an
deren  Spitze  höhere  Reichsbeamte  stehen,  ist  ein  sachverständiger
Beirat  zur  Seite  gestellt.  Mit  der  Ausstellung  ist  eine  Bibliothek  und
ein  besonderes  Tuberkulosemuseum  verbunden.  Für  Veranstaltung  von
Vorträgen  aus  dem  Gebiet  der  Arbeiter  Wohlfahrt  ist  ein  Hörsaal  geschaffen. ­
  In  der  Ausstellung  nimmt  die  eigentliche  Unfallverhütung
den  größeren  Raum  ein.  Aber  es  ist  von  vornherein  ins  Auge  gefaßt
und  schon  in  der  Denkschrift  zur  Begründung  der  ersten  Baurate  im
Reichshaushaltsetat  für  1900  ausgesprochen,  daß  die  ständige  Ausstellung ­
  sich  auf  das  ganze  Gebiet  der  Arbeiterwohlfahrt  erstrecken
solle.  Die  Ausstellung  gibt  denn  auch  über  das  Gebiet  der  Gewerbehygiene ­
  und  der  sozialen  Hygiene,  des  Wohnungswesens,  der  Volksbildung, ­
  der  Fürsorge  für  Kinder  und  Jugendliche  usw.  Aufschluß.
Was  die  Beschaffung  der  Ausstellungsgegenstände  betrifft,  so  ist  davon
ausgegangen,  daß  die  Veranstaltung  den  Charakter  einer  unter  Leitung
des  Reiches  von  Erfindern  und  Fabrikanten  veranstalteten  Ausstellung
haben  müsse,  und  daß  es  den  Berufsgenossenschaften,  den  Arbeitgebern
sowie  den  Erfindern  und  Verfertigern  neuer,  der  Unfallverhütung  und
der  Arbeiterwohlfahrt  dienender  Einrichtungen  erwünscht  sein  müsse,
ihre  Einrichtungen  mit  Hilfe  der  Ausstellung  der  Öffentlichkeit  zugängig ­
  zu  machen.  Die  ständige  Ausstellung  ist  von  allen  Seiten  als
eine  wertvolle  Schöpfung  günstig  aufgenommen,  und  die  Bereitwilligkeit ­
  zur  Einlieferung  geeigneter  Ausstellungsgegenstände  ist  von  Anfang ­
  an  sehr  rege  gewesen.
            
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