Schutzzollwahn und den Militarismus, Folgen und Ursachen des Nationalis-
mus, in deren Trauerzug Verwirrung des‘ Handelsverkehrs, Arbeitslosigkeit
und Geldkrisen folgen.
In der konservativen Presse gibt es nur eine Erklärung für all diese Ver-
wirrung, eine tägliche Sorge: den Bolschewismus., Der russische Bolsche-
wismus soll alles erklären und rechtfertigen. Dieselben Menschen, welche dem
Fascismus und seinen umstürzenden Unternehmungen gewogen sind, über-
treiben die Furcht vor dem Bolschewismus. In Frankreich und in England
gibt es ernste Arbeiterunruhen, und der Kommunismus, welcher vor dem
Kriege kaum bestand, findet jetzt dort günstigen Boden. Aber seine Fort-
schritte, geringer, als es scheint, werden künstlich übertrieben und als Werk
des Bolschewismus ausgegeben. Allerorten erblickt man in Unruhen, Aufruhr,
Unzufriedenheit und Erbitterung das Werk Moskaus. Wenn der Bolschewis-
mus verantwortlich wäre für Alles, was man ihm zuschreibt, könnte ihn keine
menschliche Kraft aufhalten; er wäre dann eine ungeheuere und unüberwind-
liche Macht.
In Italien hat man eine weiße Diktatur. Sie ist der Schutz gegen den Bol-
schewismus! Auch der General Primo de Rivera hat zur Rechtfertigung der
spanischen Diktatur oft von der Notwendigkeit gesprochen, den revolutio-
nären Drohungen Einhalt zu gebieten, und dies in einem Land, wo die Revo-
lution nie eine ernste Gefahr war und alle Revolutionen von Militärs gemacht
worden sind. Auch die Anhänger des Generals Primo de Rivera, des harm-
losesten, mildesten und unkonsequentesten Diktators der modernen Geschichte,
schreiben ihm nicht die militärische Entschlossenheit Hannibals oder das
kriegerische Genie Caesars zu.
Abd el Krim kämpfte im Rif gegen Spanien und Frankreich. Es handelte
sich um einen Kolonialkrieg, der von der spanischen Regierung immer mit
wenig Geschick geführt wurde. Durch ihn hat Spanien große Verluste er-
litten, und es lief Gefahr, seinen Wohlstand vernichtet zu sehen. Die Re-
gierung von Moskau hat nichts oder wenig zu tun mit den marokkanischen
Ereignissen und den Irrtümern der spanischen Regierung, wie man auch den
Kampf Abd el Krims beurteilen mag, und welcher Art auch seine Beziehungen
zu Finanzleuten verschiedener Nationalitäten gewesen sein mögen, die Berg-
werks-Konzessionen erstrebten. Aber viele Zeitungen beharren dabei, auch
im Rif das Werk und den Einfluß des Bolschewismus zu sehen.
In China gibt.es eine starke, den Fremden und der kapitalistischen Gesell-
schaft des Abendlandes feindliche Strömung; auch sie soll das Werk des Bol-
schewismus sein. Die Türkei hat ihre Unabhängigkeit wieder erkämpft und
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