Full text : Die Steigerung der Produktivität der deutschen Landwirtschaft im neunzehnten Jahrhundert

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heute  zum  grössten  Teil  die  billigere  Kartoffel  ausfüllt,  deren  Anbaufläche
auf  das  zwölffache  gestiegen  ist.  Dass  die  mächtige  Entwickelung  der
Brauindustrie  den  Rückgang  der  Anbaufläche  bei  der  Gerste  nicht  verhindert ­
  hat,  liegt  daran,  dass  die  Brauerei  ihr  Rohmaterial  zum  grossen
Teil  aus  dem  Ausland  bezieht.  Trotz  der  Verminderung  der  Anbaufläche
ist  übrigens,  wie  wir  noch  sehen  werden,  die  absolute  Produktion  an  Gerste
nicht  zurückgegangen,  sondern  infolge  der  Ertragssteigerung  pro  Flächeneinheit ­
  beträchtlich  gestiegen.  Auch  der  Roggen  ist  in  der  Anbaufläche
zugunsten  des  Weizens  verhältnismässig  zurückgegangen;  der  Weizenbau
hat  die  grösste  Ausdehnung  erfahren,  ganz  im  Einklang  mit  dem  Streben
der  Bevölkerung,  die  Lebenshaltung  immer  mehr  zu  verfeinern.

Die  Steigerung  der  relativen  und  absoluten  Ernteerträge
während  des  ganzen  Jahrhunderts.
Die  Veränderungen  in  den  Anbauflächen  geben  noch  kein  vollständiges
Bild  von  der  Entwickelung  der  Getreideproduktion  im  ganzen;  viel  wesentlicher ­
  ist  in  dieser  Hinsicht  die  Steigerung  der  Erträge  von  der  Flächeneinheit. ­
  Man  hat  bis  jetzt,  um  diese  Ertragssteigerung  auch  über  die
letzten  drei  Jahrzehnte  hinaus  zu  verfolgen,  nur  die  Entwickelung  der
Produktion  auf  einzelnen  Gütern  herangezogen.  Wie  wir  schon  in  der
Einleitung  erwähnten,  hat  die  meisten  dieser  Einzeldarstellungen  bereits
P.  Wagner  miteinander  verglichen  und  berechnet,  dass  die  Steigerung
der  Erträge  auf  den  betreffenden  Gütern  beim  Winterkorn  mindestens  das
D/afache,  beim  Sommerkorn  das  l 2 / 3 —2  fache  betrage.  Es  muss  indessen
hervorgehoben  werden,  dass  in  diesen  Ziffern  nicht  die  Ertragssteigerung
des  ganzen  Jahrhunderts  zum  Ausdruck  kommt;  denn  die  Daten  der  einzelnen ­
  Güter  beginnen  vielfach  erst  mit  dem  2.—4.  Jahrzehnt  und  reichen
höchstens  bis  in  die  80  er,  bei  einigen  sogar  nur  bis  in  die  60  er  Jahre.
Die  Ertragssteigerung  hat  aber  auch  in  den  letzten  Jahrzehnten  noch  angehalten, ­
  wie  uns  die  Erntestatistik  und  die  Ziffern  einzelner  Domänen
zeigen.  Von  den  Mitteilungen,  welche  in  der  letzten  Zeit  über  die  Ertragssteigerung ­
  auf  einzelnen  Gütern  an  die  Öffentlichkeit  gelangt  sind,  wollen
wir  nur  den  Bericht  über  die  Domäne  Schianstedt  erwähnen,  weil  derselbe
einen  der  intensivsten  Betriebe  und  die  Entwickelung  fast  des  ganzen
Jahrhunderts  betrifft.  Die  Erträge  sind  hier  schon  zu  Beginn  des  Jahrhunderts ­
  verhältnismässig  hoch  gewesen  und  zeigen  doch  noch  im  Laufe
der  Jahrzehnte  ein  mächtiges  Wachstum.
(Siehe  die  Tabelle  auf  Seite  23.)
Wie  immer  man  nun  auf  Grund  dieser  Einzeldarstellungen  die  durchschnittliche ­
  Ertragssteigerung  zifternmässig  bestimmen  mag,  gegen  eine
Verallgemeinerung  des  Resultates  und  Übertragung  auf  das  ganze  Land
sprechen  folgende  Gründe.  Erstens  pflegen  Güter,  die  eine  so  langjährige
exakte  Buchführung  aufzuweisen  haben,  an  sich  zu  den  besser  bewirtschafteten ­
  zu  gehören;  die  hier  erzielten  Erträge  können  darum  nicht  als
            
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