Contents : Die Eisenindustrie in Südrußland

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setzt 1 .  Da  die  Uraleisenindustrie,  von  den  technischen  Verhältnissen
abgesehen,  schon  ihrer  ungünstigen  Lage  nach  für  diese  Produktion
unfähig  erschien,  wandte  sich  die  Regierung  wieder  nach  dem  Süden.
Die  früheren  Mißerfolge  mit  den  Staatswerken  nötigten  sie  aber,  die
bisherige  Politik  bei  der  Errichtung  von  Staatswerken  zu  verlassen
und  zur  Pflege  des  Privatunternehmertums  in  Südrußland  überzugehen. ­
  Schon  bei  der  Gründung  der  Eisenbahugesellschaft  Kursk-Charkow-Sewastopol
  machte  die  Regierung  die  Konzession  von  der
Gründung  eines  Eisenwerkes  in  Südrußland  abhängig.  Das  Eisenwerk ­
  sollte  mit  einheimischen  Materialien  arbeiten,  wobei  seine  jährliche ­
  Produktion  wenigstens  500000  Schienen  erreichen  mußte.  Als
Garantie  der  Erfüllung  dieser  Bedingungen  wurde  von  den  Vertretern
der  Eisenbahngesellschaft  auch  eine  Summe  von  500000  Rubeln  einbehalten. ­
  Um  die  Gründung  des  Werkes  zu  erleichtern,  wurde  dann
laut  Ukas  des  Zaren  vom  3.  Januar  1869  ein  Bauerngrundstück  von
500  Dessj.,  nicht  weit  von  der  Eisenbahnlinie,  das  reiche  Steinkohlenlager ­
  enthielt,  zugunsten  der  Aktien-Gesellschaft  enteignet.  Da  aber
die  Gründung  des  Werkes  große  Schwierigkeiten  bot,  hat  sie  die
Gesellschaft  unterlassen.  Zwar  wurden  von  ihr  auf  dem  ihr  überwiesenen ­
  Grundstücke  Steinkohlengruben  angelegt,  doch  ausschließlich ­
  zur  Versorgung  der  Eisenbahnlinie 1  2  3  * .  Bald  darauf  wurden  diese
Verpflichtungen  aufgehoben;  später  hat  man  sogar  selbst  das  Pfand
zurückgegeben.  So  endete  dieser  ganze  Versuch  erfolglos.
Etwas  früher,  im  Jahre  1866,  war  von  der  Regierung  eine  andere
Konzession  zur  Errichtung  eines  Eisenwerkes  an  den  Fürsten  Kotschubej
erteilt  worden.  In  dem  darüber  abgeschlossenen  Vertrage  hat  die
Regierung  dem  Gründer  des  Werkes  sehr  günstige  Bedingungen
gestellt.  So  wurde  unter  anderem  eine  Prämie  von  50  Kop.  pro
hergestelltes  Pud  Schienen  garantiert.  Fürst  Kotschubej  konnte  aber
trotz  dieser  Bedingungen  weder  in  Rußland  noch  im  Auslande  eine
Gesellschaft  gründen,  die  die  dazu  nötigen  Kapitalien  beschaffte.
Er  war  gezwungen,  seine  Konzession  an  den  Engländer  John  Hughes,
den  früheren  Haupttechniker  des  Melwillwerkes  in  London  für
24000  £  zu  verkaufen.  Hughes  war  der  erste,  der  Erfolg  hatte.
Er  gründete  am  18.  April  1869  die  Gesellschaft  in  England  —  „New
Russian  iron  c-ny“  mit  einem  Stammkapital  von  300  000  ^ 8 .
Die  Hauptpunkte  des  Vertrages  zwischen  Hughes  und  der
Regierung  waren  folgende:  Hughes  verpflichtete  sich,  die  Hütte  mit
einer  Produktionsfähigkeit  von  wenigstens  100  t  Roheisen  pro  Woche
zu  erbauen.  Weiter  sollte  er  eine  Steinkohlengrube  von  solcher
1  Brandt,  a.  a.  O.,  S.  22.
2  Ahtipow,  Überblick  der  Staatsmaßnahmen  zur  Förderung  der  Metallindustrie ­
  in  Rußland,  St.  Petersburg  1876,  S.  15  und  16  (russisch).
3  Felkner,  a.  a.  O.,  S.  123;  Schulze-Gävernitz,  Volkswirtschaftliche
Studien  aus  Rußland,  Leipzig  1899,  S.  299.
            
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