Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter Teil. .Handel. XII. Bankwesen. 
eine ungewöhnlich starke war. Seitdem ist nur noch im Jahre 1892 eine vorüber 
gehende Abnahme der Amsätze eingetreten, offenbar im Zusammenhange mit der wirt 
schaftlichen Depression dieses Jahres. 
Wenn man im großen ganzen den Gang des wirtschaftlichen Lebens mit der Entwicke 
lung des Giroverkehrs vergleicht, so ist ein Zusammenhang allerdings nicht immer deutlich 
festzustellen. Die ziffernmäßige Entwickelung des Giroverkehrs war bis jetzt noch über 
wiegend durch den fortschreitenden Ausbau des Systems, in letzter Zeit namentlich 
durch seine Ausdehnung auf immer weitere Plätze und die Einbeziehung von Staats 
kassen in den Giroverkehr bedingt, und gegenüber diesen Faktoren kam die wirtschaftliche 
Entwickelung nicht zu einem ausschlaggebenden Einflüsse. 
8. Die Verdienste des Reichsbankpräsidenten Dr. Richard Koch 
um das deutsche Geld- und Bankwesen. 
Von der Handelskammer zu Frankfurt a. M. 
Handelskammer zu Frankfurt a. !N., Jahresbericht für 190s. Teil. Frankfurt a. M., 
Selbstverlag der Frankfurter Handelskammer, 1904. 5. 77—78. 
Die Handelskammer zu Frankfurt a. M. richtete an den Präsidenten des Reichsbank 
direktoriums Dr. R. Koch aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums am 
2. November 1903 das folgende Glückwunschschreiben: 
„Zu dem 50 jährigen Staatsdienst-Jubiläum, welches Eure Exzellenz morgen unter 
der lebhaftesten Anteilnahme weiter Kreise unseres Vaterlandes feiern, gestattet sich auch 
die unterzeichnete Handelskammer, als Vertreterin der Interessen für Handel und 
Gewerbe eines der größten deutschen Handels- und Börsenplätze, ihre wärmsten und 
aufrichtigsten Glückwünsche abzustatten. 
In einer gewaltigen Lebensarbeit haben Euere Exzellenz so vielerlei geschaffen, 
lvas dem deutschen Handel und insbesondere dem Börsen- und Bankgeschäft zugute 
kommt, daß es Ehrenpflicht jeder Verttetung dieser Kreise sein muß. Ihnen am heuügen 
Tage vor aller Welt wärmsten Dank und die rückhaltslose Anerkennung dieses Schaffens 
auszusprechen. Ew. Exzellenz ist zu danken die dem deutschen Handel so nützliche 
stolze Entwicklung der Reichsbank mit ihrer stets maßvollen und dem Gesamtinteressc 
Rechnung tragenden Diskontpolitik, mit ihrein von Eurer Exzellenz in erster Linie ein 
geführten und emporgebrachten Giroverkehr, vor allem aber dafür, daß unsere Gold 
währung, die wiederholt die schärfsten Angriffe erfahren mußte, zum Segen der Nation 
uns unberührt erhalten blieb. 
Ew. Exzellenz darf die Förderung so vieler Materien des Geld- und Bankwesens 
in praktischer und literarischer Hinsicht nachgerühmt werden; denn wie selten jemand 
haben Euere Exzellenz es verstanden, den Bedürfnissen der Praxis gerecht zu werden 
und gleichzeitig eine Anzahl wissenschaftlich erkannter nützlicher Reformen in der Praxis 
auszugestalten. 
Nicht unvergessen soll auch bleiben, wie Euere Exzellenz die Verhandlungen der 
Börsenenquete-Kommission in ausgezeichneter und stets objettiver Weise zu leiten 
verstanden haben, und wie es Euerer Exzellenz wohl in erster Linie zu danken ist, 
wenn die Vorschläge dieser Enquetekommission trotz mancher wenig börsenfreundlicher 
Mitglieder derselben weit mehr Rücksicht auf die Verhältnisse des Börsenverkehrs 
genommen haben, als dies leider später bei der parlamentarischen Beratung des Börsen 
gesetzes geschehen ist.
	        
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