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studierten Ärzten; außerdem wandte sich die-Mehrzahl der Formosa
chinesen infolge ihrer Verständnislosigkeit für die neue Heilkunde
eher an die zum größten Teile ganz ungebildeten I-sel, und überdies
wurden die meisten Pestfälle unter den Formosachinesen erst im
letzten Stadium der Krankheit oder gar erst nach dem Tode der
Patienten bekannt. Daher war die Sterblichkeit unter den Formosa
chinesen mit Notwendigkeit größer als die der Japaner.
Über die Arten der Behandlung ist das Folgende zu sagen.
In den ersten Jahren, wo man noch nicht die gehörige Erfahrung besaß,
wurden zur Heilung der Pest alle möglichen chirurgischen Operationen
und medikamentösen Behandlungsmethoden ausprobiert. Die chi
rurgischen Eingriffe, namentlich die Exstirpation der Bubonen, be
währten sich am meisten.
Von der Blutserumtherapie behaupten die einen, daß sie offen
kundigen Erfolg habe, die anderen, daß ihre Wirkung unsicher sei,
die dritten, daß ihr Erfolg von dem Zeitpunkt der Anwendung und
von der Dosis des Serums abhängig sei. Die Ansichten der Forscher
gehen also noch sehr weit auseinander. Nach den auf Formosa er
zielten Ergebnissen kann man noch nicht sagen, daß die Serum
therapie sich bewähre.
9. Die Ergebnisse der Schutzimpfung.
In den ersten fünf bis sechs Jahren des Auftretens der Pest
wurden überall im Norden und Süden Schutzimpfungen nach Haffkin
oder nach Kolle und Pfeiffer angewandt. Dr. K. Tsukiyama, seinerzeit
stellvertretender Direktor des Regierungshospitals in Tainan, nahm im
Jahre 1901 die Schutzimpfung an ca. 25 000 Personen vor; die Ergeb
nisse waren diese:
Tabelle XIII.
Tainan 1901
geimpft
nicht geimpft
Beobachtet
Erkrankt
Gestorben
Von 1000 Beobachteten erkrankten
Von 100 Erkrankten starben ....
24 993
41
22
1,64
53,66
92 966
1 869
1 541
20,10
82,45