Full text: Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

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so kann dies unter Umständen schwere Be 
lastungen der Bevölkerung zur Folge haben. 
Das Schmalspursystem Bosniens war eine der 
Hauptursachen, weshalb Oesterreich-Ungarn da 
selbst größere Truppenmassen frühzeitig an 
sammeln mußte, um im Kriegsfall bereit zu sein. 
Abgesehen davon, daß der Verkehr doch auch 
einige Störungen erlitt, müssen die großen Aus 
gaben ins Auge gefaßt werden, welche eine solche 
Truppenkonzentration nach sich zieht. Schwere 
Verluste erlitt ein großer Teil der Einberufenen, 
da für die Sicherung der Anstellungen solcher 
Einberufener bis heute keine entsprechenden 
Maßnahmen seitens des Staates getroffen wurden. 
Auch darf man nicht vergessen, daß die dauernde 
Dislozierung großer Truppenmassen, in Gebieten, 
die nicht dafür eingerichtet sind, eine erhebliche 
Steigerung der Krankheitsziffer zur Folge hat. 
Die Unterbringung von solchen Truppenmassen 
ist fast schwieriger durchzuführen, als die 
einer marschierenden Armee, die täglich ihren 
Rayon wechselt. 
Im Kriegsfälle kann die Heeresverwaltung 
das rollende Material der Eisenbahnen entweder 
zum Transport von Mannschaft und Kriegsmaterial 
oder zum Transport von Lebensmitteln verwen 
den. Zu letzterem Zweck wird sie an dem Vor 
handensein verschiedener Spezialtypen von 
Waggons sehr interessiert sein. Insbesondere seien 
hier die Kühlwaggons erwähnt, welche z. B. die 
serbische Armee während des Balkankrieges ver 
wendete. Sie bewährten sich im engeren Bereichsehr 
gut, weniger gut aber in einem größeren, weil in 
letzterem Falle das Fleisch häufig verdorben an 
kam. Solchen Uebelständen kann durch ent 
sprechende Vorsorgen, insbesondere durch Schaf 
fung genügend zahlreicher Eiserzeugungsstellen 
und Eisfüllungsstationen abgeholfen werden. Ruß 
land scheint in dieser Richtung große Vorkeh 
rungen getroffen zu haben. Auch in Oesterreich- 
Ungarn nimmt die Zahl der Kühlwaggons 
zu. Es ist klar, daß die Heeresverwaltung der 
Vermehrung des Kühlwaggonparks ähnliche Auf 
merksamkeit schenkt, wie den Lastautomobilen. 
Der normale Verkehr erleidet im Kriegsfall 
meist sehr erhebliche Störungen. Nicht immer 
werden aber ausreichende Maßnahmen getroffen, 
dieselben auf das Minimum zu reduzieren. Es 
soll im Jahre 1870/71 mehrfach vorgekommen 
sein, daß Fabriken feiern mußten, weil die Kohlen 
infolge Waggonmangels nicht transportiert werden 
konnten. Daran soll bei mehr als einer Gelegen 
heit nicht der effektive Mangel an Waggons 
schuld' gewesen sein, sondern die unzu 
längliche Instradierung. Angeblich war bei der 
Ausarbeitung der Transportpläne für die Armee 
auf die Bedürfnisse der Industrie an der West 
grenze nicht immer ausreichend Sorge getragen 
worden. 
Jedenfalls dürfte die rasche Entwicklung der 
Industrie und der Landwirtschaft dazu führen, 
daß der Mobilisi rungsplan auf die Unternehmungen 
aller Art möglichst Rücksicht nehmen wird ; ins- 
|L_ 
besondere dort, wo die militärischen Zwecke da 
durch gar nicht gefährdet erscheinen. Es gibt im 
Staatsleben mehr als eine Gelegenheit, wo Schaden 
dadurch vermieden werden kann, daß bestimmte 
Probleme nur überhaupt /berücksichtigt werden. 
Es wird nicht bei einzelnen Beratungen in dieser 
Hinsicht verbleiben, man wird einmal daran gehen 
müssen, das gesamte Verkehrssystem, sowie 
überhaupt das ganze Wirtschaftssystem in Hin 
blick auf den Kriegsfall einheitlich zu organi 
sieren. 
Dann wird man auch /ernstlich die Frage 
behandeln, wie weit Rohstoffreserven im Friedens 
fall am Platze sind, insbesondere Kohlenreserven. 
Im Kriegsfall werden solche Dinge allzu leicht 
überstürzt. Vorkehrungen, die in Friedenszeiten 
relativ billig zu treffen sind, verlangen dann leicht 
einen unverhältnismäßig großen Kostenaufwand, 
wenn man dann überhaupt noch gute Arbeit zu 
leisten imstande ist. Man vergißt von einer 
Mobilisierung zur nächsten, was man an wirt 
schaftlichen Erfahrungen gesammelt hat, während 
die rein militärischen Erfahrungen recht zuverlässig 
aufbewahrt zu werden pflegen. 
Die Kontinuität der kriegswirtschaftlichen 
Erfahrung fehlt. Während in früheren wirtschaft 
lichen und staatswissenschaftlichen Handbüchern 
sich noch Artikel über Heer u. dgl. fanden, die 
freilich meist recht unzulänglich waren, fehlen 
dieselben in den modernen Standardwerken voll 
kommen. Im Wörterbuch der Volkswirtschaft 
oder im Handwörterbuch der Staatswissenschaften 
sucht man vergeblich nach den Schlagworten Heer, 
Krieg usw. Daß nicht Platzmangel daran schuld ist, 
beweist das Vorhandensein von Artikeln über, 
Wasenmeisterei, Hebammen usw. Wir vergessen 
daher rasch die wirtschaftlichen Ereignisse der 
letzten Kriege. Wo findet man zuverlässiges Ma 
terial über die Runs im Jahre 1870/71 gesam 
melt? Es ist manchmal nicht einmal möglich, mit 
Sicherheit festzustellen, ob in einer deutschen 
Stadt in dieser Zeit eine Kriegslombaidkasse 
funktionierte oder nicht, geschweige denn, daß 
man immer über ihre Geschäftsführung unter 
richtetwäre. Wie anders wären wir heute daran, wenn 
alle einschlägigen Beobachtungen sofort gemacht 
und aufgezeichnet worden wären, wenn sie etwa 
in der Art wie die militärischen Beobachtungen 
gemacht und notiert worden wären. Wie wichtig 
wäre es, wenn neben die detaillierten historischen 
strategischen Studien auch solche kriegswirt 
schaftlicher und verpflegstechnischer Art träten. 
Auch die kriegswirtschaftlich bedeutsamen 
Vorkommnisse der Gegenwart werden nirgends 
systematisch gesammelt. Recht gute Nachweise 
findet man bei den Friedensfreunden, die bemüht 
sind, wenigstens die Zeitschriften und wichtigsten 
Zeitungsartikel über diese Materie bibliographisch 
zu sammeln. Aber wenn man sich auf reine 
Zeitungsnachrichten verlassen muß, ist man ver 
loren. Was für Fehlberichte Vorkommen können, 
hatte ich während des Balkankrieges mehr als
	        
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